
Moi Moi Helsinki, Moin Moin Hamburg!
Satu Anttila aus Finnland bei Familie Kamentz/Ehlert
„Moin moin!“ – diese Begrüßung habe ich gleich auf dem Flughafen gelernt, als ich hier in Hamburg angekommen bin. Das habe ich sofort in meinen Kopf abgespeichert, weil in Finnland die Verabschiedung sehr ähnlich ist: „Moi moi“!
Hamburg, meine Perle
Hamburg. Also, hier würde ich mein Austauschjahr verbringen? In der ersten Woche, die ich mit vielen anderen Austauschschülern auf einen Orientierungsseminar in Geesthacht verbracht habe, hat es nur geregnet. Es war stressig, die ganze Zeit Deutsch zu hören und ins Finnische zu übersetzen. Der Gedanke, dass ich meine Familie und Freunde für ein Jahr nicht sehen würde, war unrealistisch und unheimlich. Ich fragte mich, ob ich alles richtig durchdacht hatte – alles, was mir bekannt war, zurück zu lassen und nach Deutschland zu kommen.
Deutsch + Akzent = Stil
Ich hatte schon vor längerer Zeit entschieden, ungefähr als ich 13 war, nach Deutschland zu kommen. Ich war schon mehrmals hier im Urlaub und in der Schule war Deutsch auch meine erste Fremdsprache. Danach war es einfach ein Fakt für mich und ich habe es nie in Frage gestellt. Denn ich wusste ja nicht, dass ich viel mehr als nur die Sprache lernen würde.
Ich war davon ausgegangen, dass ich nach diesem Jahr perfekt Deutsch sprechen würde. Jetzt lache ich darüber! Ich weiß jetzt schon, nach sechs Monaten, dass ich meinem Akzent nicht loswerden und nicht alle möglichen Wörter lernen werde.
Aber viele Freunde von mir hier haben mir gesagt, dass mein Akzent „dufte“ ist und mir meinen eigenen Stil gibt.
Vieles ist ähnlich – aber dennoch unterschiedlich
Ich spreche zwar kein perfektes Deutsch, aber ich kriege viel mehr mit. Zum Beispiel die Umgangsprache, die meine finnischen Freunde im Deutschunterricht in Finnland nicht lernen werden. Sie verstehen nicht „Was geht ab hier?“ oder überhaupt solche Dinge, wie man schnell mit Menschen hier klar kommt.
Ich habe neue Erfahrungen gemacht und bin ein viel selbstständigerer Mensch geworden. Obwohl Finnland und Deutschland in vielen Dingen ähnlich sind, ist alles dennoch unterschiedlich. Man geht auch in die Schule, trifft auch Freunde, isst auch mit der Familie zusammen – aber man macht das alles ein bisschen anders. Ich kann es nicht so gut beschreiben oder erklären, das muss man selbst erleben!
Mein Leben ist jetzt hier!
Am Anfang war es natürlich schwer. Alles war neu und ich kannte niemanden. „Ich habe meine Familie und Freunde verlassen und jetzt muss ich alles alleine durchziehen“, habe ich in der erste Woche gedacht.
Kurz danach, als ich in meiner Gastfamilie ankam, wurde mir klar: Anstatt eine Familie verlassen zu haben, habe ich sogar eine zweite dazu bekommen! Meine neue Familie war jetzt immer für mich da und ist es immer noch. Ich werde mich daran immer erinnern und sie schätzen.
Ich habe mein altes Hobby – Fußball – hier weiter gemacht und auch ein neues Hobby – Tanzen – angefangen. Ich treffe Freunde nach der Schule oder gucke meine Lieblingssendungen in Fernsehen. Am Wochenende schlafe ich aus und danach mache ich, was immer ich möchte. Mein Leben ist jetzt hier!
Manchmal habe ich Angst, dass ich gar nicht mehr nach Finnland zurückgehen will... Na ja, ich kann ja auch immer zurückkommen. Aber mein Austauschjahr ist noch nicht vorbei. Ich werde die restliche Zeit so gut wie möglich genießen!
Zurück zu Erfahrungsberichte Finnland
© 2005-2011 Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.
