
Bloß nicht an den Abschied denken…
Sina Krüger, Gastschwester von Maria aus Moldawien 2004/2005
Seit sieben Monaten habe ich noch eine Schwester. In unserem Haus ist mehr Leben, und wenn ich nach Hause komme, ist da jemand in meinem Alter – zum Reden, Tee trinken, oder einfach nur Hallo sagen. Wir sind eine normale Familie, nur mit einer Person mehr als früher.
Was ist anders?
Maria aus Moldawien wohnt bei uns und gehört selbstverständlich dazu. Ein paar Dinge haben sich geändert in unserem Alltag seit Maria da ist, aber das ist inzwischen normal für uns: Die Zahnbürste der anderen vor die Badezimmertür stellen, wenn man duschen geht, Dinge erklären und hinterfragen, die wir tun oder sagen,...
Mit der Sprache haben wir schon lange keine Probleme mehr. Maria konnte von Anfang an Deutsch und jetzt spricht sie sogar „Frügerisch“ – denn bei uns, Kamilie Früger, wird manchmal das F mit dem K vertauscht. Zu Silvester hat Maria moldawischen Eiersalat gemacht und wir haben ihr deutsche Kultur nahe gebracht: ein Weihnachtsgedicht von Loriot.
Zusammen leben
Wie Schwestern, die sich schon ewig kennen, reden wir miteinander über alles, was uns beschäftigt. Dabei haben wir uns kennen gelernt und ganz nebenbei etwas über die Kultur der anderen erfahren. Maria erzählt, dass es bei ihnen in Moldawien nicht üblich ist, dass unverheiratete Mädchen alleine wohnen, dass ihre Eltern zu Zeiten der Sowjetunion heimlich getauft wurden... Ich habe erklärt, dass wir in Deutschland Bananen an der anderen Seite aufmachen.
Wir haben auch gelernt, uns auseinanderzusetzen. Während am Anfang des Jahres kleine Missverständnisse vermeidbaren Ärger hervorriefen, reden wir jetzt darüber wie über alles andere und finden immer schnell eine Lösung.
Erinnerungen
Nach diesen erlebnisreichen aber viel zu schnell vergangenen sieben Monaten sind wir nicht mehr zwei Fremde mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen: Wir lachen gemeinsam über Marias Liebe zu unserem Toaster und haben viele gemeinsame Erinnerungen an Besuche bei den Verwandten in Berlin, ein Konzert im Herbst, ... nicht zuletzt das Mittelseminar, das YFU für alle Austauschschüler und ihre 15- bis 18-jährigen Gastgeschwister organisiert.
Pläne
Eigentlich erwartet man am Ende so eines Berichtes die Erwähnung des Abschiedes. Aber ganz ehrlich: Ich will noch gar nicht daran denken. Vorstellen kann ich mir sowieso nicht, wie das sein wird, wenn meine Schwester Maria nicht mehr da ist. Aber wir haben ja noch drei Monate miteinander und noch viel vor!
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