
Ein Strahlemann erobert die ganze Familie
Familie Haase, Gastfamilie von Pedro aus Brasilien
„Seid ihr verrückt geworden………“„Ihr spinnt doch………“
„Wisst ihr überhaupt, auf was ihr euch da einlasst……“
„Der passt vom Alter doch gar nicht bei euch rein………….“ (Pedro ist 18, unsere
Kinder 10, 12 und 14 Jahre)……………..und überhaupt: „ein Brasilianer………“
Das waren noch die harmlosesten Kommentare wohlmeinender Freunde oder Verwandten,
als wir ihnen von unserem Plan erzählten, dass Pedro aufgrund eines Familienwechsels für die nächsten vier Monate bei uns Quartier beziehen wird. (Allerdings waren einige andere Kommentare auch sehr ermutigend.) Wir wollten unser Haus für ihn öffnen und versuchen, ihm ein Stück deutsche Familie zu bieten.
Pedro hat sich schnell eingelebt
Es war schon spannend für uns. Schließlich waren wir auf diese Situation gar nicht vorbereitet und alles kam doch sehr plötzlich.
Pedro hat einen vierwöchigen Sprachkurs in Uslar absolviert und in dieser Zeit haben wir ihn
„zufällig“ kennengelernt. Er ist dann zu seiner Jahresfamilie gekommen und irgendwann haben wir erfahren, dass er die Familie wechseln muss. Wir haben als Familie beschlossen, anzubieten, dass Pedro zu uns kommen kann. Und dann kam er auch…..
So standen wir am Bahnhof um ihn abzuholen und bei uns aufzunehmen. Da kam er heraus aus dem Zug, dieser Strahlemann und sofort war klar, dass es eine sehr gute Entscheidung war.
Pedro hat sich schnell eingelebt, hat schnell Freunde gefunden und ist auch bei unseren Freunden und Verwandten beliebt. Und keiner will mehr vorher schon gewusst haben, dass das sowieso nichts wird.
Wir haben viel zusammen gelacht; über Kartoffeln, Reis und schwarze Bohnen; über deutsche und brasilianische „Pünktlichkeit“; über sprachliche Missverständnisse und über das Leben im allgemeinen. So durften wir ein bisschen brasilianische Gelassenheit lernen und Pedro deutsche Tugenden mit auf seinen Lebensweg gegeben.
Fußballspielen und Stilberatung
Klar, dass Pedro auch in der größten Hitze mit seinem kleinen Bruder Kai und dessen Freunden Fußball spielen musste. Die kleinen waren nicht kaputt zu kriegen, Pedro allerdings war manchmal schon völlig erschöpft. Und die nächste Fußballweltmeisterschaft wird Kai natürlich gemeinsam mit seinem großen Bruder in Brasilien erleben.
Auch die Mädels kamen mit Fragen zu ihrem großen Bruder wie: „Soll ich lieber das blaue T-Shirt anziehen oder sieht das gelbe doch besser aus?“
Tja, und sogar unser Hund stand jaulend und winselnd vor Pedros Zimmertür, als er am Re-Entry-Seminar teilgenommen hat und ein ganzes Wochenende gar nicht zu Hause war.
Bleibt nur noch zu schreiben: Pedro hat nicht nur unser Haus im Sturm erobert, sondern auch unsere Herzen. Wir haben ihn nur ungern wieder ziehen lassen und wenn mich demnächst jemand fragt, wie viele Kinder ich habe, wird meine Antwort lauten: „ Vier! Und der älteste studiert momentan in Brasilien!“
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