English English
Drucken

Abenteuer Gastfamilie

Klaudia Rewald-Flak, Gastmutter von Kate aus den USA

Abschied am Hamburger Hauptbahnhof: Wer hätte vor elf Monaten gedacht, dass Kate uns so ans Herz wachsen würde!!! Zusammen mit ihren Freundinnen und Klassenkameraden winken wir dem Zug hinterher, der sie jetzt nach Frankfurt bringt, damit sie von dort zurück in die USA fliegt.

Der Abschied ist uns allen schwer gefallen und ich lasse „unser“ Austauschjahr noch einmal Revue passieren, als wir vom Bahnhof nach Hause fahren.

Ein Zimmer frei

Als unser Sohn sich entschloss, ein Austauschjahr in den USA zu verbringen, war für uns relativ schnell klar, dass Austausch nur dann funktioniert, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht.

So wollten wir einem anderen jungen Menschen die Gelegenheit geben, bei uns zu leben und Deutschland kennen zu lernen. Außerdem hatten wir jetzt ja Platz, da ein Zimmer frei wurde.

Eine neue große Schwester

Unsere 13-jährige Tochter wünschte sich eine Schwester und so waren wir alle sehr gespannt und aufgeregt, als wir Kates Unterlagen erhielten und sie dann einige Wochen später vom Bahnhof abholten.

Kate ging es natürlich ebenso und in den ersten Wochen stürzten so viele neue Eindrücke auf sie ein und es gab ständig neue Situationen, dass sie oft sehr müde war und relativ viel schlief.

Von Anfang an Deutsch

Wir bemühten uns, von Anfang an Deutsch mit ihr zu sprechen, was uns erleichtert wurde, da Kate schon Vorkenntnisse in unserer Sprache hatte. In der Schule wurde sie freundlich aufgenommen, aber es dauerte trotzdem eine Weile, bis sie dort eine gute Freundin fand. Ihr Freundeskreis erweiterte sich dann rasch, als sie begann, Handball zu spielen.

Traditionen aus den USA

In diesem Herbst feierten wir Thanksgiving und unsere beiden Kinder bereiteten fast alles alleine zu, bis auf den großen Truthahn, da war dann doch Hilfe angesagt. Natürlich gab es auch eine kleine Halloween-Party und Henrike und Kate hatten einen Riesenspaß beim Vorbereiten und Verkleiden. Die beiden verstanden sich gut und Henrike hatte endlich, wenn auch zeitlich begrenzt, eine große Schwester.

Diskussionen über Regeln

Da Kate erst im Januar 16 Jahre wurde, gab es auch immer mal wieder Diskussionen über das abendliche Weggehen beziehungsweise wie lange sie wegbleiben durfte. Sie hat sich aber immer an unsere Abmachungen gehalten und nach ihrem Geburtstag wurde es ja auch etwas einfacher.

Weihnachtszeit

Advent und Weihnachten haben wir so traditionell wie möglich gefeiert und viel über kulturelle Unterschiede hier und in den USA diskutiert. Überhaupt haben wir oft stundenlang Gespräche geführt und auch Probleme besprochen. Obwohl es manchmal anstrengend war, hat es uns auch viel geholfen, uns besser zu verstehen und zu akzeptieren.

Der erste Liebeskummer

In die Weihnachtszeit fiel dann auch der erste Liebeskummer, aber im neuen Jahr hatte Kate dann ihren ersten Freund, was für uns eine ebenso neue Situation war wie für sie. Gleichzeitig besuchte sie mit unserer Tochter einen Tanzkurs und wir begleiteten unsere beiden Mädchen dann zum Abschlussball.

Angebote von YFU

Kate nahm alle Angebote von YFU wahr, fuhr nach Berlin zum Mittelseminar und später dann zu einem Wochenendseminar, das sie auf die Rückkehr vorbereiten sollte. Wir hatten als Familie auch mehrere von YFU organisierte Treffen, die uns die Möglichkeit zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch mit anderen Familien gaben, was wir immer als sehr bereichernd und hilfreich empfanden.

Zudem stand uns und Kate eine persönliche Betreuerin zur Seite, die wir bei Problemen ansprechen konnten und die sich regelmäßig bei uns meldete.

Witzige Begebenheiten

Die letzten drei Monate vergingen wie im Fluge und es gäbe natürlich noch reichlich zu erzählen, viele kleine witzige Begebenheiten, so zum Beispiel Kates Ratlosigkeit beim Berechnen des Flascheninhaltes für Mathe – gemeint war allerdings der Flächeninhalt!

Ihre Vorliebe für deutschen Senf (konnte zu fast allen Gerichten gegessen werden) und Quark in sämtlichen Varianten wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, genauso wie ihr originelles Deutsch, etwa als sie meinte, die Brötchen „säßen“ immer noch auf dem Toaster.

Eine tolle Erfahrung

Für uns war dieses Jahr eine tolle Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Wir haben gelernt, für uns normale Verhaltensweisen zu hinterfragen und uns mit unserer Kultur auseinanderzusetzen. Wir hatten viele schöne Erlebnisse, aber natürlich gab es auch Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten.

Manchmal hat es Kraft und auch Zeit gekostet, aber wir wurden dafür reichlich entschädigt durch Kates Bemühen, sich anzupassen und ein Mitglied unserer Familie zu werden. Wir haben in diesem Jahr „unser“ drittes Kind bekommen!

Engagement bei YFU

Mittlerweile haben wir noch zweimal, allerdings nur für vier Wochen, Schüler von YFU bei uns aufgenommen, die, bevor sie in die Jahresfamilien gehen , einen Orientierungs- und Sprachkurs besuchen. Ich persönlich war so begeistert von der Arbeit, die YFU leistet, dass ich mich seitdem ehrenamtlich dort engagiere und Gastfamilien und Gastschüler betreue.

Zurück zur Länderübersicht

Zurück zu Erfahrungsberichte USA


© 2005-2011 Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.
 

„Wir wollten unserer Tochter Lisa so gern die Erfahrung bieten, eine Schwester zu haben. Was soll man sagen - es hat funktioniert. Die beiden Mädchen sahen sich und mochten sich.

Steffi Blanken
Gastmutter