
Bei uns ist immer ein Zimmer frei!
Steffi Blanken, Gastmutter von Justyna aus Polen, Yuan aus China, Mona aus Rumänien, Nodar aus Georgien
Machen Sie sich darauf gefasst, von Ihrer Umgebung belächelt zu werden.
Auch wird man Sie für ein wenig verrückt halten, wenn Sie tatsächlich einen Austauschschüler bei sich aufnehmen – für ein Jahr eine fremde Person in Ihr Leben lassen, ohne dass Ihnen jemand auch nur einen Pfennig, nein, Cent dafür bezahlt.
Wir sind „anders“, sind gern „anders“, und das schon im vierten Jahr!
Justyna aus Polen
Zuerst kam Justyna aus Zamosc, Polen zu uns. Wir wollten unserer Tochter Lisa so gern die Erfahrung bieten, eine Schwester zu haben. Was soll man sagen – es hat funktioniert. Die beiden Mädchen sahen sich und mochten sich. Der Abschied war nur auszuhalten durch die Aussicht auf ein Wiedersehen in Polen im nächsten Jahr.
Dort wurden wir von Justynas Familie wie alte Freunde aufgenommen! Uns zu Ehren wurde ein neues Bett gekauft und der Sohn des Hauses musste für uns sein Zimmer räumen. Wir wurden morgens, mittags, nachmittags und abends mit leckerem Essen verwöhnt: selbstgemachte Nudeln, Piroggi (gefüllte Teigtaschen), Hühnersuppe aus extra zur Feier des Besuchs geschlachteten Hühnern, Sahnetorte...
Die Familie baut Gurken, Tomaten und Paprika an – dieses Gemüse schmeckt frisch geerntet wunderbar! Zum Abendessen gab es Wodka für die Männer und Kirschlikör für die „Damen“ – ja, dort ist auch der Handkuss noch üblich!
Sprachprobleme gab es nicht, auch wenn Justyna nicht immer dolmetschen konnte. Wozu hat man Hände und Füße?
Als wir nach einigen Tagen wieder Richtung Buxtehude aufbrachen, fanden sich im Kofferraum: eine Flasche Wodka, eine Flasche Likör, mehrere Beutel mit frischen Piroggi, zwei Gläser Schmalz (um die Piroggi „standesgemäß“ zu braten), 20 Kilo Tomaten, mehrere Gurken und Paprikaschoten, ein Truthahnschinken und ein Truthahn-Rollbraten, frisch aus dem Rauch, 20 Kilo Zucker (haben wir lange was davon gehabt!)
...und im Auto saß auch Justyna, um ihrer zweiten Heimat einen Besuch abzustatten!
Yuan aus China
Das nächste neue Kind war Yuan aus Peking. Durch sie durften wir die Erfahrung machen, dass das Leben mit einer fast erwachsenen jungen Frau mit einem großen Selbstbewusstsein ziemlich aufregend und konfliktgeladen sein kann. Dennoch war es ein wunderbares Jahr mit vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen.
Ein Highlight war die Reise nach Paris inklusive Euro-Disney – dies war ihr sehr wichtig, weil einmalig in Europa! Obwohl wir als Gasteltern zuerst nur sehr zögerlich zustimmten, war das Fazit: TOLL!!!
Es folgte im Sommer ein tränenreicher Abschied, und wir sind sicher, dass wir uns wieder treffen werden – auf welcher Seite der Erde auch immer!
Mona aus Rumänien
Nun kam Mona aus Bukarest zu uns. Lisa schleppte ihre Matratze in Monas Zimmer, und da bleib sie für den Rest des Jahres. Mehr muss zu diesen „Wunsch-Schwestern“ nicht gesagt werden!
Im Sommer fahren wir nach Rumänien, um mit Mona und ihre Mutter Draculas Reich kennen zu lernen und die beiden – Mona und ihre Mutter, nicht Dracula! – im Anschluss noch nach Buxtehude zu bringen.
Nodar aus Georgien
Seit ein paar Tagen nun lebt Nodar aus Georgien bei uns. Ein Junge! Wieder eine neue, spannende Erfahrung – mal sehen, wie es so mit einem Sohn ist. Und zum ersten Mal seit 17 Jahren ist die Mutter in der Unterzahl, die männliche Fraktion in der Familie ist größer. Lisa verbringt nämlich gerade ein Jahr in Brasilien und ist dort sehr glücklich.
Wir haben noch lange nicht genug!
Die Welt rückt zusammen, durch das Internet werden Zeit und Raum überbrückt. Doch richtig kennen lernen kann man sich nur durch die persönliche Begegnung, Verständnis für die andere Kultur und Lebensweise bekommt man durch Gespräche und Erleben.
Nicht nur die Austauschschüler lernen dabei, auch wir Gastfamilien setzen uns mit unserer Lebensweise, unserer näheren Umgebung, unserem Land auseinander und entdecken so manchen Schatz, der vielleicht verborgen geblieben wäre, hätte nicht das Kind aus China, Polen, Rumänien oder aus jedem anderen Land danach gefragt.
Sicher ist nicht alles immer rosarot, doch ohne Konflikte wüssten wir die friedvollen Zeiten nicht so sehr zu schätzen, ohne Reibereien wäre Harmonie weniger harmonisch!
Wir haben noch lange nicht genug. Bei uns ist immer ein Zimmer frei, und hoffentlich werden noch einige Austauschschülerinnen und Austauschschüler zu Gast sein. Wir sind gespannt auf die Eindrücke, Erlebnisse, Gespräche, Erfahrungen und Freundschaften, die auf uns warten!
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