
Unübertroffene Lebensfreude
Silke Rauscher, Argentinien
Am 1. August 2000 bin ich um 7.00 Uhr morgens mit dem Wissen aufgewacht, dass ich an diesem Tag meine lang ersehnte Reise nach Argentinien antreten würde. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, deswegen habe ich beides getan.
Am nächsten Tag kam ich in Buenos Aires an, wo wir noch eine kleine Vorbereitung von YFU Argentinien hatten, zusammen mit den anderen Austauschschülern, die „ihr“ Jahr in Argentinien verbringen würden. Es war eigentlich mehr ein gemütliches Beisammensein und Spaß haben als eine Vorbereitung.
Endlich nach Posadas!
Ein paar Tage später war es endlich soweit: 9 Uhr morgens Abfahrt vom Camp zum Flughafen, endlich in die Familien. Wir (d.h. eine andere Deutsche, eine Dänin und ich) hatten allerdings besonders großes Pech: Unser Flug ging erst um 17:25 Uhr, so dass wir den ganzen Tag am Flughafen in Buenos Aires verbringen durften. Aber dann ging es endlich los nach Posadas. Posadas hat 400.000 Einwohner und ist die Hautstadt der Provinz Misiones, im Nordosten von Argentinien, direkt an der Grenze zu Paraguay und etwa 250 oder 300 km von der brasilianischen Grenze entfernt.
Nach einem kleinen Ausflug auf dem Flughafen in Resistencia – wer konnte wissen, dass das Flugzeug einen Zwischenstopp macht? – kamen wir um 20 Uhr in Posadas an, wo wir schon von unseren Familien erwartet wurden. Sie haben uns sehr lieb begrüßt und dann sind wir „nach Hause“ gefahren.
Mate, Tereré und Boliches
Einer der schönsten Orte in Posadas ist die Costanera, eine Art Flusspromenade am Río Paraná, der Argentinien von Paraguay teilt. Über eine Brücke kann man innerhalb von zehn Minuten in Paraguay sein. Man trifft sich an der Costanera, um Mate (argentinischer Tee) oder Tereré (kalten Mate mit Saft) zu trinken und Leute zu treffen.
Etwas Wunderbares in meinem Jahr waren unsere Nächte in den „boliches“ (Diskos). Man tanzt viel mehr und fast immer in Paaren. Das war am Anfang etwas ungewohnt, weil man ständig von irgendwelchen fremden Jungs aufgefordert wird. Aber es macht total Spaß.
Meine neue Gastfamilie
Im Dezember habe ich meine Gastfamilie gewechselt, da meine erste Familie ihr Geld vor der drohenden Wirtschaftskrise retten wollte und damit nach Miami gezogen ist.
In meiner neuen Familie hatte ich neben meinen Gasteltern eine Gastschwester (Natasha, 15), drei Gastbrüder (Carlitos, 13, Daniel, 18, und Sergio, 19) und einen Hund. Mit Natasha habe ich mir ein Zimmer geteilt, was zwar wenig komfortabel, dafür umso gemütlicher und netter war.
In den letzten zwei Monaten der Sommerferien habe ich ständig etwas mit Daniel und seinen Freunden unternommen. Außerdem war ich mit meiner Familie fast ununterbrochen in ihrem kleinen Wochenendhaus, 50 Kilometer von Posadas entfernt. Es war direkt am Río Paraná, dort haben wir den ganzen Tag faul in der Sonne gelegen, haben gebadet und Daniel und ich waren auch mal paddeln. Das war sozusagen mein Sommerurlaub.
Die letzten Monate waren wirklich wunderschön, denn ich hatte unendlich viel Spaß mit meinen neuen Freunden (aus meiner neuen Schule). Mit meinen Mädels habe ich sehr viel unternommen, ich konnte ihnen vertrauen und alles erzählen.
Endgültiger Abschied
Aber am 28. August 2001 musste ich dann doch nach Hause. Wenigstens haben mich alle zum Flughafen begleitet, meine Gastfamilie und ungefähr 15 Freunde.
Ich glaube, ich habe noch mehr geheult als bei meinem Abflug in Deutschland, denn der Abschied war endgültiger. Aber wenigstens habe ich viele wunderbare Erinnerungen an „mein“ Jahr, meine Freunde und eben Argentinien – denn Argentinien ist vielleicht das Schönste, was mir jemals passiert ist und die argentinische Lebensfreude ist einfach nicht zu übertreffen. Man muss es erlebt haben, um es zu verstehen.
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