
Neuer Alltag und das Schulsystem
Carina Dötsch, Argentinien
Meine 11. Klasse habe ich nicht in Deutschland verbracht, sondern bin mit dem Deutschen Youth For Understanding Komitee e.V. ein Jahr ins Ausland gegangen. Ich war von August 2004 bis Juni 2005 Austauschschülerin in San Juan, Argentinien.
Als ich Freunden und Bekannten davon erzählt habe, dass ich nach Argentinien gehen werde, waren viele sehr überrascht. Es ist nun mal ein Land, über das die wenigsten wirklich etwas wissen. Selbst ich wusste im Grunde gar nichts von diesem Land. Umso spannender war es dann, Argentinien in diesem Jahr kennen zu lernen. Man sollte wissen, dass Argentinien seit 2001 in einer sehr starken Wirtschaftskrise ist. Doch es hindert die Menschen nicht daran, trotz allem ihr Leben zu genießen und glücklich zu sein.
Mit eigentlich gar keinen Sprachkenntnissen bin ich dann in eine Großfamilie gekommen. Ich hatte 5 Gastgeschwister von denen schon 3 verheiratet waren und eine Gastschwester hatte schon eine Tochter. Man muss dazu sagen, dass ich habe selber 3 weitere Geschwister habe, daher war es für mich nicht zu ungewohnt. Das erste gemeinsame Essen mit der ganzen Familie war sehr aufschlussreich. Klar habe ich zwischendrin gedacht: „Wo bin ich hier eigentlich gelandet?“, aber ich hatte richtig Glück. Meine Gastfamilie ist sehr nett und herzlich gewesen. Den Kontakt pflege ich regelmäßig, denn für mich sind es meine Eltern und meine Geschwister, die ich dort habe. Ich bin auch im Juli 2008 wieder für einen Monat drüben gewesen.
In San Juan zur Schule zu gehen, war auch etwas sehr aufregendes. Ich bin auf eine katholische Privatschule gegangen. Wir mussten Uniform tragen, wie alle Schüler in Argentinien. Es war ein Erlebnis, denn so konnte ich auch vergleichen, wie gut oder schlecht meine Schule hier in Deutschland war. Aus diesem Grund habe ich auch meine selbst gestellte Aufgabe, die die Schüler in Hamburg machen müssen, über das argentinische Schulsystem geschrieben. Dabei habe ich mich noch mal ausführlich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der beiden Schulsysteme auseinander gesetzt.
Außerdem habe ich die Rundreise, die YFU organisiert hat mitgemacht. Somit habe ich noch mehr von Argentinien sehen können. Es ist ein wirklich umwerfendes Land, das so groß ist und so verschieden, dass man es sich gar nicht vorstellen kann. Deutschland würde ungefähr 8-mal in Argentinien reinpassen und zusätzlich hat man alle Klimazonen dort vereint. Das Facettenreichtum dieses Landes ist wirklich sehenswert und unvorstellbar. Ich war am Fuße der Anden und war eher im Wüstenbereich. Die Landschaft ist nicht großartig mit Blumen und Bäumen bestückt, aber die Berglandschaften und auch die Art dieser Landschaft findet man nirgendwo anders noch einmal.
Ich kann wirklich jedem Schüler empfehlen, macht ein Austauschjahr wenn ihr die Gelegenheit habt. Die Erfahrungen, die ihr da sammelt könnt ihr jeder Zeit gebrauchen. Ihr werdet viele Dinge mit anderen Augen sehen. Seit auch mutig in ein Land zu gehen, dass nicht die „Traditionsländer“ wie USA etc. sind. Allerdings sollte man offen für alles sein, egal wo man hinfährt. Ich bin mir sicher, dass Argentinien für mich die beste Entscheidung gewesen ist, da ich glaube, dass ich nirgendwo anders so glücklich gewesen wäre wie dort.
Das allgemeine Schulsystem
Seit 1884 gibt es in Argentinien die Schulpflicht. Das Schulsystem ähnelt dem europäischen Schulsystem. Seit 1992 ist es Aufgabe der Länder (Provinzen).
Ein Schüler in Argentinien muss zehn Jahre zu Schule gehen. Es gibt eine Art Vorschule, die 2 Jahre dauert. In die Vorschule kann man schon mit drei Jahren gehen, Pflichtalter sind aber fünf Jahre. Mit 6 Jahren kommt man dann in die 1. Klasse und mit sieben beginnt die 1. Grundschulausbildung (Educación General BásicaI). Nach 3 Jahre kommt man in die 2. Grundschulausbildung, in der man auch drei Jahre bleibt. Mit dann 13 Jahren kommt man in die 3. Grundschulausbildung, wo man wieder drei Jahre ist. Danach folgt die „Oberstufe“, die freiwillig ist und auch drei Jahre dauert. Es gibt fünf unterschiedliche Richtungen in der „Oberstufe“:
1. Wirtschaft und Unternehmensführung
2. Humanistik und Sozialwissenschaften
3. Naturwissenschaft
4. Kommunikation, Kunst und Design
5. Produktion von Gütern und Dienstleistungen
Der Stundenplan eines Schülers der Oberstufe in Argentinien richtet sich danach, welche Richtung er gewählt hat. Die Fächer sind der Richtung angepasst, die man gewählt hat. Jedes Jahr werden diese spezifischer auf die Richtung ausgerichtet.
Es gibt in Argentinien sowohl Privatschulen als auch öffentliche Schulen. Die Privatschulen haben Schuluniformen, die jeder Schüler tragen muss. Dazu muss man sagen, dass die meisten Privatschulen katholische Schulen sind. Deshalb enthält auch die San Francisco de Asís Schule in San Juan Argentinien, die Farben Braun und Beige in seiner Uniform. Die öffentlichen Schulen haben weiße „Ärzte“ -Kittel als Schuluniform.
Auch das Schulgebäude und der Schulhof sind wesentlich anders gestaltet. An der Schule gibt es Sicherheitspersonal, die kontrollieren, wer in die Schule kommt und wer nicht. Traditionelle Feiertage werden immer groß in der Schule gefeiert und sind sehr wichtig.
Meine eigene Meinung
Da der Unterschied zwischen Argentinien und Deutschland sehr groß ist, war es nicht leicht das argentinische Schulsystem zu akzeptieren. Vor allem die neuen Regeln und Rituale gefielen mir zu Anfang nicht. Doch mit der Zeit habe ich genau das schätzen und lieben gelernt. Auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist in Argentinien anders. Es gibt Lehrer, die eine sehr gute Beziehung mit ihren Schülern haben und bei denen gibt es meistens nicht so viel Ärger. Eine andere gute Sache ist, dass es keine Hausaufgaben gibt. Das ist solange angenehm bis du die Klausur/Arbeit schreiben musst, denn normalerweise hast du dann mehr zu lernen. Dass die Schüler nicht Sitzen bleiben, hat mir auch sehr gut gefallen, doch bin ich der Überzeugung, dass das hier zu Lande nicht so einfach zu übernehmen wäre, da wir komplett andere Menschen sind und vollkommen anders als die Argentinier denken.
Trotz aller „normalen“ Schwierigkeiten war das Jahr in Argentinien eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Ich habe gelernt die Welt mit anderen Augen zu sehen und mich an den Kleinigkeiten im Leben zu erfreuen.
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