
Ein Austauschjahr in der Türkei
Miriam Klowersa, Türkei
Viele, denen ich das erzählte, konnten es anfangs kaum glauben und ich bekam viele überraschte Kommentare zu hören, da viele Leute noch nie von einem Austausch in die Türkei gehört hatten. Das konnte mich aber nicht verunsichern oder mich von meinem Vorhaben, ein Jahr in die Türkei zu gehen, abhalten. Es war eine große Entscheidung und die absolut richtige, wie sich herausstellte. Mein Austauschjahr war ein großartiges Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich entschied mich damit dazu, eine vollkommen interessante und reiche und der unseren so verschiedene Kultur kennenzulernen. Dank meiner vielen neugesammelten Erfahrungen habe ich ein unvergessliches Jahr in der Türkei verbracht und wenn ich noch einmal vor die Entscheidung gestellt werden würde zu gehen, würde ich keinen Moment lang zögern.
Warm-werden mit der Sprache
Natürlich war nicht immer alles perfekt. Ich hatte auch mit so manchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da ich bis auf einige Wörter so gut wie kein Türkisch sprach, fiel es mir zu Beginn nicht immer leicht mich auszudrücken. YFU Türkiye brachte uns in einem Sprachkurs im YFU Büro in Ankara innerhalb von etwa drei Wochen die Grundlagen der türkischen Sprache bei. Dies war zwar eine gute Vorbereitung, doch die Sprache lernte ich eigentlich während des Sprechens, Zuhörens,… also im ganz normalen Alltagsleben.
Unvergesslicher Start – traditionelle Feste
Nach dem Sprachkurs in Ankara wartete meine Gastfamilie in Izmir auf mich. Ich kam gerade pünktlich zum Şeker Bayramı in Izmir an. Das ist ein großes Fest, an dem sich die ganze Familie gegenseitig besucht. Ein Brauch dabei ist es, dass die jüngeren Familienmitglieder den älteren als Zeichen des Respekts die Hand küssen, wobei sie von diesen Süßigkeiten oder auch Geld erhalten. Die Bayram Festtage waren eine gute Gelegenheit, um meine Gastfamilie ein wenig kennenzulernen. Die bestand aus meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meinen zwei „Geschwistern“, Gastschwester Cemre, sechzehn Jahre alt, und Gastbruder Cem, acht Jahre alt. Es war von Vorteil, dass Cemre sehr gutes Englisch sprach, sie half mir am Anfang viel mit dem Verstehen vom Türkischen und wann immer ich ein Problem mit der Sprache hatte. Auch wenn es nicht immer leicht war, eine gleichaltrige Gastschwester zu haben, war ich doch froh darüber; wir hatten immer viele Gesprächsthemen.
Meine türkische Schule
Der Schulalltag in der Türkei ist auf jeden Fall anders als in Deutschland. Daran, dass ich nun ein ganzes Jahr lang eine Schuluniform tragen würde, musste ich mich erst einmal gewöhnen. Diese bestand aus einem Rock für die Mädchen (die Farbe ist je nach Schule verschieden, an meiner Schule grau-kariert), einer schwarzen Hose für die Jungen, weißen Hemden/ Blusen und im Winter dem grauen Schulpullover, schwarzen Schuhen, schwarzen Strümpfen,... Am Anfang noch ungewohnt und aufregend, wurde das Tragen der Uniform mit der Zeit zur Gewohnheit. Jeden Morgen wurde ich vom Servis abgeholt, einem kleinen Schulbus, der von meiner Schule organisiert wurde und ungefähr zehn bis zwölf Schüler aus meinem Bezirk in Izmir abholte und nach der Schule wieder heimbrachte. In der Türkei dauert jeder Schultag bis in den Nachmittag hinein, je nach Schule bis 15 oder 16 Uhr. Disziplin und Respekt gegenüber den Lehren wird großgeschrieben. Man steht auf, sobald der Lehrer den Klassenraum betritt. Meist herrscht Frontalunterricht; der Lehrer redet, die Schüler hören zu und schreiben. Klassendiskussionen, Referate oder ähnliches gibt es kaum.
Izmir. Mein zweites zu Hause.
Izmir, an der Ägäisküste im Südwesten der Türkei, ist eine ziemlich moderne, wunderschöne Stadt. Ich habe in diesem Jahr viel von der Türkei gesehen, unter anderem war ich in Istanbul, Ankara, Adana, Gaziantep und Canakkale, doch ich war immer wieder froh wenn ich zurück 'nach Hause', nach Izmir kam. Ich habe diese Stadt, die mir zu einer zweiten Heimat geworden ist, ins Herz geschlossen. Natürlich war es nicht nur die wunderschöne interessante Stadt, die dieses Heimatgefühl auslöste, sondern einfach das ganze Leben dort, die Menschen und ihre Einstellung zu allem. Die Offenheit und das Interesse, mit dem sie mir als Ausländerin entgegen kamen, machten mich glücklich und ich fühlte mich in dieser anfangs noch fremden Kultur bald zu Hause. Ein großes Kompliment war es für mich deshalb auch, wenn mir Freunde oder meine Gastfamilie sagten, ich wäre eine von ihnen..:-) 'türk kızı oldun'.
Die Zeit rennt
Die Zeit nach Weihnachten und dem ersten Halbjahr verging wie im Flug und bald war auch schon die Zeit gekommen um Abschied zu nehmen. Ich konnte gar nicht glauben, wie schnell ein Jahr vergehen kann. Es fiel mir schwer zu gehen und nicht zu wissen, wann ich all das wiedersehen würde. In dieser großartigen Zeit hatte ich viele neue Leute und eine fremde Kultur kennengelernt, eine neue Sprache gelernt, viele Erfahrungen gesammelt, einfach ein tolles Jahr gehabt! Ich möchte YFU dafür danken, dass sie mir all das mit einem Stipendium ermöglicht haben und hoffe, dass sich in Zukunft noch viel mehr zukünftige Austauschschüler für ein Jahr in der Türkei entscheiden. Es lohnt sich!
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