English English
Drucken

Karls Jahr in der Türkei

Karl Möller hat ein Jahr in der Türkei verbracht und uns aus dem Austauschjahr regelmäßig von seinen Erlebnissen berichtet.

14. Juli 2010

Mein letztes halbes Jahr in der Türkei

karl

War die zweite Hälfte meines Austauschjahres schöner als die erste? Ich kann es echt nicht sagen - am Anfang war alles neu und super-interessant. Die zweite Hälfte aber war nicht minder interessant. In der zweiten Hälfte war ich auch viel am rum-reisen in der Türkei, ich war zwei mal in Istanbul, einmal in Izmir, in Çeşme und noch einmal in Bodrum, also quasi an der ganzen Westküste. Aber auch in Ankara habe ich alle Vorzüge des türkischen Lebens genossen mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden, sodass dann der Abschied sehr, sehr schwer fiel..

Das Jahr in der Türkei war für mich eine ganz besondere Erfahrung, wenn es auch nicht immer einfach war, gab es doch Lichtblicke in allen blöden Situationen und insgesamt war es unglaublich lehrreich für mich. Wenn ich noch einmal entscheiden könnte ob ich gehen möchte, ich würde keinen Augenblick überlegen; Ich habe auch so viele Menschen aus so vielen Nationen und so viel Neues kennen gelernt in diesem Abenteuer, das ich  jedes Mal wieder neu beginnen würde.
Nach ein paar wunderbaren Tagen auf dem YES ging es dann zurück nach Hause und in die Ferien und jetzt bin ich dabei mich an den deutschen Döner mit Soße und die deutsche Sprache zu gewöhnen, aber eins ist sicher: Ich komme wieder, zweite Heimat! ;)

4. Dezember 2009

Weihnachtszeit mal ohne Advents-Rummel

Mkarl-tuerkische-landschaftittlerweile bin ich schon fast 3 1/2 Monate hier, und die Zeit vergeht unglaublich schnell, ich habe mich "vor kurzem" noch gewundert, dass ich ja schon 2 1/2 Monate hier bin, jetzt geht es auf 3 1/2 zu... Aber das ist eigentlich nur ein Zeichen, dass ich die Zeit geniesse und es mir gut geht. Das Leben hier hat jetzt auch so eine Art Alltag bekommen, auch wenn ich immer noch neue Dinge entdecke. Aber die Samstage-Nachmittage, an denen ich mit Freunden in Tunalı abhaenge, die Samstag-Abende, die wir mit der Grossfamilie verbringen und die Sonntag-Nachmittage, die wir auf der Farm verbringen, gehören wie selbstverstaendlich zu meinem Leben hier dazu.
Kalt ist es jetzt auch geworden, es gibt eigentlich jeden Morgen Frost, nur richtigen Schnee gab es noch nicht. Aber der kommt wohl auch noch, im Januar und Februar sind es normalerweise -10 Grad kalt und es liegt ordentlich Schnee.
In der Schule geht auch alles seinen Lauf, es gibt ziemlich viele Tests und Arbeiten, die Geschichtsstunden verstehe ich schon zur Haelfte, und in Französisch, was ich seit dieser Woche "lerne", habe ich festgestellt, dass ich, obwohl ich es nur halb so lange lerne, besser Französisch kann als meine Klassenkameraden.

Ich habe auch durch einen Lehrer meiner Schule eine christliche Gemeinde gefunden, zu der ich, wenn möglich, sonntags gehe. Da der Sonntag-Vormittag sowieso Relax-Zeit in meiner Familie ist, in der nichts gemacht wird, ist das auch überhaupt kein Problem.
In Deutschland hat ja jetzt auch die Weihnachtszeit begonnen, von meiner Familie habe ich schon ein Adventspaket bekommen, aber ansonsten gibt es hier fast nichts, was auf Weihnachten hindeuten könnte, am 24. werde ich auch ganz normal zur Schule gehen. Im Prinzip ist es auch ganz angenehm, den Rummel mit "Advents-Shopping" usw. nicht mitmachen zu müssen, die Feier werde ich trotzdem vermissen.

Letzte Woche war dann auch der "Kurban Bayramı", das 4-taegige Opferfest, das hier jedes Jahr gefeiert wird, aber doch einen Monat spaeter als ich angenommen hatte, also nicht Ende Oktober sondern November. Es geht auf die alt-testamentliche Geschichte von Abraham zurück, in der er seinen Sohn opfern soll, aber einen Widder zum Opfern geschickt bekommt. Ich bin mit meiner Familie nach Elazığ gefahren, eine Stadt im Osten der Türkei, die Geburtsstadt meines Gastvaters und Heimatstadt seiner Eltern. Wir haben uns einiges angesehen und vor allem Verwandte besucht, wie auch schon beim letzten Bayram in Samsun, Bafra. Besonders interessant war der Besuch einer Farm auf dem Land, und es war supertypisch, genauso habe ich mir das Land vorgestellt in der Türkei, mit Sandstrassen, trockenen Wiesen und Feldern an der Seite und einigen Dörfern mit ziemlich ungemütlichen und nur wenigen neuen Haeusern. Die meisten Menschen, die in dem "Garten", wie er von der Familie genannt wird, waren, wohnen aber mittlerweile in Elazığ, Ankara oder İzmir, nur noch wenige sind zum Pflegen der Felder und Obstgaerten dauerhaft da. Also insgesamt war diese kleine Reise eine kulturell extrem interessante Sache, bei der ich auch noch einmal die klassische und dörfliche Kultur der Türkei kennenlernen konnte.
Im Januar sind hier 2 Wochen Semesterferien, bis dahin fast jeden Tag Schule, ich freue mich auf die weitere Zeit hier. :)
Ich wünsche allen eine schöne Adventszeit und, falls ich vorher nicht mehr schreiben sollte, ein schönes Weihnachtsfest!
Bis zum naechsten Mal,
Karl

12. Oktober 2009

Großfamilien-Besuch und Schulbeginn

Nun habe ich seit gut 4 Wochen nichts geschrieben, dabei ist einiges passiert...

karl-vor-monumentDer Sprachkurs ist nun zu Ende, man hat uns erfolgreich die Grundlagen der türkischen Grammatik vermittelt, dennoch gibt es natürlich noch viel zu lernen.

Danach war ich mit meiner Familie in der Naehe von Samsun, um den Şeker-(Zucker) Bayram zu zelebrieren, das ist das Fest zum Ende des Ramadan.
Dabei ist es Tradition, sich viel gegenseitig zu besuchen, also meistens besuchen die Jüngeren die Aelteren. So war es auch bei uns, wir haben Onkel und Tanten meiner Gastmutter besucht. Insgesamt hat ihr Vater 9 Geschwister, die haben dann geschaetzte 50 Kinder bekommen, ich habe es aufgegeben, mir alle Namen zu merken...
Die Feier war aber sehr schön, auch weil ich wie alle anderen Kinder/Jugendlichen behandelt und beschenkt wurde, und die Farm, in der wir gewohnt haben (die des Vaters meines Gast-Grossvaters) war ein Traum.

2 Tage danach hat in Ankara die Schule angefangen, ich gehe mit meinen Gastbrüdern zusammen auf eine türkische Privatschule, dennoch mit Schuluniform und relativ strikten Regeln. Man hat mir aber gesagt, dass sie in anderen Schulen haerter durchgesetzt werden. Ich wurde sehr nett aufgenommen, dennoch ist es mit der Sprache immer noch ein bisschen schwierig, oft ist es gut, dass fast alle Englisch können. Als Austauschschüler habe ich die Freiheit, mir die Faecher zusammenzusuchen, die ich möchte. Ich bin also die meiste Zeit mit meiner Klasse zusammen und für einige Stunden gehe ich in andere Klassen. Im Unterricht komme ich maessig gut mit, die türkischen Fachbegriffe sind doch etwas viel für mein Sprachverstaendnis. Ein paar Lehrer sorgen aber auch durch "Türkisch-Lern-Aufgaben" dafür, dass ich mein Türkisch weiter verbessern kann. Trotzdem muss ich zugeben, dass mit dem Schulstart auch der anstrengende Teil des Austauschjahres begonnen hat, jeden Tag bis um 4 Schule, dazu noch Türkisch lernen, Freunde treffen, mit der Familie unterwegs sein, alles ganz schön anstrengend, aber natürlisch auch schön.
Mit meiner Familie habe ich mir an einem Wochenende das "Anıtkabir" bzw. Atatürk-Mausoleum von Ankara angesehen. Es ist natürlich wichtig, etwas über den Mann zu wissen, der die heutige Türkei wahrscheinlich am meisten gepraegt hat, durch Einführen der Schulpflicht, Gleichberechtigung der Frau usw.

Dieses Wochenende gehe ich wahrscheinlich mit ein paar Freunden ins Kino und wir fahren zu der Farm meines Gast-Onkels, wie jeden Sonntag, auch meine Wochenenden sind eigentlich immer gut gefüllt, aber das Ausschlafen tut jedes Mal wieder gut. :)
Liebe Grüsse,
Karl


PS: Da sich hier wohl in naechster Zeit nicht allzu viel aendern wird, werde ich wohl erst nach dem naechsten Bayram (der naechste ist Ende Oktober soweit ich weiss) wieder schreiben.

9. September 2009

Sprachkurs, Kapadokien, Ramadan

Im Moment mache ich mit meinen zwei Mitstreiterinnen und zwei YFU-Freiwilligen einen dreiwöchigen Sprachkurs, bei dem wir die Grundlagen der türkischen Sprache vermittelt bekommen. Jeden Tag lernen wir 3 Stunden lang die vollkommen neue Sprache, am Wochenende ist natürlich Zeit für die Gastfamilien.

Wir waren als Austauschschüler mit zwei Teamern ein Wochenende lang für die "Pre-Arrival-Orientation" in Kapadokien, einer wirklich wunderschönen Region in der Zentraltürkei, bei der wir wichtige Dinge über die Geschichte und Geografie der Türkei besprochen, aber auch über Gewohnheiten, Körpersprache und Religion geredet. YFU Türkei ist allgemein eine relativ kleine Organisation (vor allem im Vergleich zu Deutschland), die Mitarbeiter sind aber supernett und total motiviert. Dass wir die ersten Austauschschüler von YFU in der Türkei sind, ist zwar spürbar über mangelnde Betreuung kann ich mich dennoch wirklich nicht beklagen.

Wie vielleicht auch in Deutschland bekannt ist, ist im Moment Ramadan für die Muslime, auch mein Gastvater isst von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Vor ein paar Tagen war ich mit ihm bei einem Türkei-typischen Essen zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang. Es war sehr interessant, 1. ein Stück türkische Kultur zu sehen und 2. die Arbeitskollegen meines Gastvaters kennen zu lernen. Trotzdem war ich froh, inmitten der ganzen fremden, oft nur türkisch sprechenden Menschen meinen Gastvater an meiner Seite zu haben.

In 2 Wochen geht die Schule los, ich werde eine türkische Schule mit Schuluniformen und festgelegter Maximal-Haarlänge (nur für Jungen) besuchen. Meine Gastbrüder gehen auf dieselbe Schule.

Das war’s dann mal wieder von mir, es gäbe zwar noch so viel mehr zu erzählen, aber ich habe eine neue Sprache zu lernen. ;)

Was ich vergessen habe zu erwähnen: Mir geht es wirklich gut hier und ich fühle mich sehr wohl. :)

Also dann, Hoşça kalın (Macht's gut)!

25. August 2009

Ankara, Ankunft

karl-mit-gastfamilieGestern bin ich in Ankara auf dem Flughafen angekommen. Ich versuche einmal, die Eindrücke zusammenzufassen.
Der Abschied am Flughafen fiel zwar schwer, doch die Vorfreude war doch grösser die Traurigkeit...
In München haben wir uns dann alle getroffen, die in die Türkei gehen.
In Ankara angekommen, haben meine Gasteltern schon auf mich gewartet, die anderen beiden wurden von einer YFU-Mitarbeiterin zu ihren Familien gebracht. Ich bin aber mit meinen Gasteltern nach Hause gefahren. Auf der Autobahn haben wir einen Onkel getroffen, sie haben kurz telefoniert und dann haben zwei Autos auf dem Standstreifen angehalten und ich habe die erste türkische Begrüssungsszene miterlebt. Danach sind wir am Büro meiner Gastmutter vorbeigefahren und haben meinen kleinen Gastbruder mitgenommen. Zu Hause warteten dann schon mein aelterer Gastbruder und die Haushaelterin meiner Familie auf uns. Übrigens spreche ich im Moment mit meiner Gastfamilie vor allem Englisch, bis auf ein paar Phrasen wie "Guten Morgen", "Danke" usw. Die Haushaelterin spricht aber nur Türkisch und so muss ich mich halt mit dem bisschen Türkisch, was ich kann, mit ihr verstaendigen.
Nun gut, spaeter mehr, ich werde jetzt mal mit meinem kleinen Gastbruder eine Runde Backgammon oder Schach spielen...

Vor der Abreise

In die Türkei?!...

dachte ich auch, als die Leiterin unseres Auswahlgesprächs uns erzählte, dass für die Türkei noch Plätze frei wären. Ich dachte aber (zum Glück!) tatsächlich darüber nach und kam zu dem Ergebnis, dass die Türkei ein wirklich spannendes Land ist und eine gute Wahl für mich sein könnte.

Denn ich habe mich für  ein Austauschjahr beworben, weil ich eine (noch) fremde Kultur kennen lernen, neue Erfahrungen machen und dadurch ein Stück weit persönlich wachsen möchte. Neugier spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, das Interesse an einer anderen Kultur ist eine wichtige Motivation für mich, dieses „Abenteuer“ zu wagen.

Nicht ganz unbedeutend ist auch, dass ich eine vollkommen neue Sprache lerne, die mir später im Berufsleben mit Sicherheit weiterhelfen wird, aber auch hier in Berlin, wo ja auch einige Türken leben, wird es interessant sein, mit ihnen auf Türkisch reden zu können.

Das alles brachte mich also dazu, in die Türkei zu gehen. Wenn ich mir das anschaue, stelle ich fest, dass ich eigentlich ein „ganz normaler Austauschschüler“ bin, der einfach nur den Mut aufbringt, eine komplett neue Sprache zu erlernen. Wenn es Dich interessiert, kannst Du ja in meinem Blog verfolgen, wie es mir dann ab August in der Türkei ergeht. ;)

Zurück zur Länderübersicht

Zurück zu Erfahrungsberichte Türkei


© 2005-2011 Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.
 

„Austausch ist wie Fliegen - auf einmal sieht man sein Leben aus einer ganz anderen Perspektive!“

Aline Stieglitz
Austauschjahr in Finnland