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Man sah mir die Ausländerin an

Barbara Wagner, Brasilien

„Während ihr den Schnee endlich hinter Euch habt, quält uns schon seit Wochen eine unerträgliche Hitze“, schrieb mir meine Gastmutter kürzlich, „es hat wieder 44 Grad.“

Und ich erinnerte mich: wie mir morgens nach meinem kurzem Schulweg schon der Schweiß lief, wie der Pool gar nicht mehr erfrischen konnte und wie ich nachts mit Klimaanlage schlafen musste. Aber auch, dass wir um Mitternacht noch draußen saßen, die herrlichen Blumen und die seltenen Tiere.

Bilder eines Austauschjahres, das ich im Rahmen von Youth For Understanding in Brasilien verbrachte.

„Oi, tudo bem?“

„Kannst du denn überhaupt Brasilianisch?“, fragten Freunde, als sie von meinen Plänen hörten. Nein, ich konnte kein Portugiesisch – das spricht man in Brasilien. Trotzdem flog ich nach einer Vorbereitungstagung am Ende der 10. Klasse nach Brasilien.

Dort hatte ich eine Woche Sprach- und Orientierungskurs. Danach konnte ich „Oi, tudo bem?“ sagen, das heißt so viel wie „Hallo, wie geht’s?“. Als ich nach Foz do Igua?u zu meiner Gastfamilie kam, sagte ich das auch sehr stolz und fehlerfrei – die Antwort verstand ich nicht. Alle Gespräche mussten am Anfang über meine ein Jahr jüngere Gastschwester laufen, die fließend Englisch sprach.

Straßenkinder

Aber nicht nur die portugiesische Sprache war neu für mich. Was mir am Anfang besonders auffiel, waren die Kinder, die immer an die Autos kamen, während man an einer Ampel wartete. Die wollten Orangen, Saft oder Gummitiere verkaufen, liefen barfuß und trugen schmutzige, zerrissene Hemden.

Ich war entsetzt, als meine Gastmutter nie etwas kaufte. Ihre Begründung überzeugte mich allerdings: Gibt man Kindern auf der Straße etwas, kaufen sie sich Drogen oder Süßigkeiten. Besser sei es, Pakete zusammenzustellen und sie Familien zu bringen oder an die Förderprogramme des Staates zu spenden.

T-Shirt als Schuluniform

Nach einigen Tagen ging ich zum ersten Mal in die Schule. Ich ging auf eine sehr teure Privatschule, denn die staatlichen Schulen haben ein sehr niedriges Niveau. Ich kam in dieselbe Klasse wie meine Gastschwester und trug dieselbe Schuluniform – ein T-Shirt mit dem Schullogo. Dennoch starrten mich alle an. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass man mir die Ausländerin ansah.

Die Klasse nahm mich aber freundlich auf und applaudierte, wenn ich eine richtige Antwort wusste. Vom Stoff verstand ich ein wenig, da ich etliches in Deutschland schon durchgenommen hatte. Aber die Klassengröße von 40 Schülern und der Frontalunterricht erleichterten es mir nicht, alles mitzubekommen.

Nach einigen Wochen verstand ich genug Portugiesisch, um dem Unterricht folgen zu können. Ich konnte sogar in die nächst höhere Klasse wechseln.

Axè tanzen im „clube“

In meiner Freizeit lernte ich im „clube“, Axè zu tanzen, eine Art Samba. Und ich ging auch sonst viel in den „clube“. Das war eine Art Sportverein mit großzügiger Außenanlage, wo sich viele meiner Freunde nachmittags trafen.

Kein Tag ohne Bohnen

Im Januar wechselte ich zu einer neuen Gastfamilie, blieb jedoch in derselben Stadt. Meine neue Familie wohnte in einem luxuriösen Apartment mit einer Hausangestellten.

Auch hier gab es jeden Mittag das traditionelle brasilianische Essen: Reis, schwarze Bohnen, Salat und ein Fleischgericht. Vor allem die Bohnen mochte ich anfangs nicht, kam später jedoch – wie viele Brasilianer – kaum einen Tag ohne sie aus.

Neues Schuljahr, neue Schule

Damit ich zusammen mit meinen neuen drei Gastgeschwistern zur Schule gebracht werden konnte, ging ich von Februar an auch in eine andere Schule. Ein neues Schuljahr hatte begonnen und ich war im Abschlussjahrgang. Das machte sich hauptsächlich dadurch bemerkbar, dass ich nun einmal die Woche Nachmittagsunterricht hatte.

Die größten Wasserfälle der Welt

Mit meiner neuen Gastfamilie machte ich größere Ausflüge und besuchte auch die Igua?u-Fälle, die größten Wasserfälle der Welt, die direkt bei Foz do Igua?u liegen. Außerdem liegt Foz im Dreiländereck Brasilien – Paraguay – Argentinien und wir besichtigten den Punkt, an dem die drei Länder nur durch Flüsse getrennt sind.

Oft waren wir in Paraguay zum Einkaufen. Die Preise waren dort sehr niedrig und die Armut immens. Meine Gastfamilie betonte, dass nicht ganz Paraguay so sei, sondern nur diese Grenzstadt.

Schwerer Abschied

In meiner neuen Familie fühlte ich mich sehr wohl. Zum einen genoss ich es, einmal im Luxus zu leben, zum anderen ging ich, die ich zu Hause die Jüngste bin, in der Rolle als große Schwester voll auf.

Der Abschied von Brasilien, das mir eine zweite Heimat geworden war, fiel mir ungleich schwerer als mein Abschied von Deutschland.

Doch zum Programmjahr gehört auch eine Nachbereitungstagung, auf der ich viele Gleichaltrige kennen lernte, denen es ähnlich ging. Alle waren sich einig: äußerst empfehlenswert.

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„Während ich am Anfang noch zweifelte, ob es die richtige Entscheidung war, mein Jahr hier in Riga, Lettland zu verbringen, bin ich mir jetzt sicher, dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich je getroffen habe.“

Jana Wieser
Austauschjahr in Lettland