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Ein Jahr in Helsinki

Maria Carnevale, Finnland

„Wie? Du fährst nach Finnland? Leben dort denn nicht nur Eskimos und Eisbären?“ Mit einem großen Fragezeichen im Gesicht stellten mir meine Freunde und Eltern diese Fragen, als ich mich in der zehnten Klasse für ein Austauschjahr in Finnland entschied.

Immerhin wussten ein paar, dass es sich um das Land der 100.000 Seen, Saunas und Nokias handelt.

Es war nicht sehr einfach, meinen Mitmenschen zu erklären, warum es nicht ein englisch- oder französischsprachiges Land sein sollte. Doch irgendwann respektierten sie zum Glück meine Entscheidung und waren damit einverstanden.

Eine außergewöhnliche Sprache lernen

Ich fand es einfach reizvoller, ein Jahr in einem Land zu verbringen, von dem ich nicht viel wusste.

Außerdem war es eine große Herausforderung, innerhalb eines Jahres eine neue außergewöhnliche Sprache wie Finnisch zu lernen.

Viele mögen sich jetzt fragen, was man nun mit dieser Sprache anfangen kann? Nun, man macht nicht ein Austauschjahr nur der Sprache wegen. Es geht unter anderem auch darum, eine fremde Kultur kennen zu lernen, indem man sich an die neuen Umgebung anpasst.

Andere Lebens- und Denkweise

Anfangs mag uns das Verhalten der Finnen (Amerikaner, Schweizer, Japaner,…) seltsam erscheinen. Doch nach und nach lernt man im Austauschjahr, dass es neben der eigenen Lebens- und Denkweise auch noch andere gibt, die genauso sinnvoll sein können. Wie es so schön heißt: “It’s not good, it’s not bad, it’s just different!” Durch diese Erfahrung wird man viel toleranter und offener – was zuletzt auch der Völkerverständigung dient.

In der Hauptstadt Helsinki

Mein Austauschjahr habe ich in Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, bei einer allein erziehenden Mutter und ihrer damals 16-jährigen Tochter verbracht. Zu meiner Gastfamilie hatte ich ein sehr „lockeres“ Verhältnis. Das heißt, sie haben mir sehr viele Freiheiten gelassen. Allerdings standen wir uns nie sehr nah, was ich im Nachhinein sehr schade finde.

Trotzdem haben wir viel miteinander unternommen, z. B. Reisen nach Stockholm, Tallin und Sankt Petersburg. Da sie ein großes Interesse an kulturellen Veranstaltungen hatten, waren wir auch sehr oft im Theater, im Ballett oder in Museen.

Lernen auf der Työväenopisto

Die ersten Monate in Finnland waren, wie wahrscheinlich für die meisten Austauschschüler, nicht sehr einfach. Man fühlt sich ausgeschlossen, man versteht kein Wort, man kann nicht mitreden oder mitlachen. Außerdem fühlt man sich abends hundemüde, weil man in der Schule nur dasaß und nicht, wie die anderen, mitmachen konnte.

Aber das alles sollte eine weitere Motivation sein, Finnisch zu lernen. Ich besuchte zweimal wöchentlich einen Finnischkurs für Ausländer an der Työväenopisto (Volkshochschule) und versuchte so oft es ging, Finnisch zu reden.

Auch in der Schule versuchte ich, aktiver zu werden, indem ich Vorträge über Deutschland hielt und der Deutschlehrerin beim Korrigieren half. So lernte ich über Finnland und die Finnen über Deutschland.

Ab Januar etwa habe ich mich fast ausschließlich auf Finnisch unterhalten. Es war ein unglaubliches Gefühl, wenn mir die Einheimischen Komplimente machten, oder wenn ich mich dabei ertappte, dass ich in den letzten zehn Minuten gar nicht auf Deutsch gedacht hatte. Je besser ich mich auf Finnisch verständigen konnte, desto leichter war es, Anschluss zu finden und mich zu integrieren.

Finnisch ist, zugegeben, keine einfache Sprache. Es ist aber möglich Finnisch zu lernen, wenn man sich bemüht und geduldig ist!

Kleine Peinlichkeiten

Eine andere Umstellung war für mich das Leben in einer Großstadt. Helsinki kam mir am Anfang so unheimlich groß und unübersichtlich vor. Nicht selten habe ich mich verlaufen oder bin in den falschen Bus eingestiegen.

Wie zum Beispiel in der zweiten Woche, als ich von der Schule nach Hause wollte. Normalerweise braucht man nur 15 Minuten. Ich aber habe es tatsächlich auf zwei Stunden und fünfmal Umsteigen gebracht. Die Wohnung habe ich natürlich in einer völlig anderen Stadt gesucht . Das soll mir mal einer nachmachen… (jaja, mittlerweile kann ich auch darüber lachen).

Eine andere „Peinlichkeit“ ist mir in der Schule passiert. Woher soll auch ein unwissender Austauschschüler wissen, dass „Miehet“ für Männer und „ Naiset“ für Frauen steht? So kann es also passieren, dass man auf der falschen Toilette landet. Zum Glück lernt man ja durch Fehler.

Kein Zuckerschlecken

Mein Jahr in Finnland war einfach wunderbar. Damit meine ich nicht, dass immer alles glatt gelaufen ist. Auch ich hatte Probleme, Heimweh und erlebte den berühmten Kulturschock.

Ein Austauschjahr kann manchmal alles andere als Zuckerschlecken sein. Trotzdem war es das Jahr, das mir am meisten gegeben hat: ein zweites Zuhause in Europa, viele neue Bekanntschaften und Freunde und unendlich viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse, von denen ich ein Leben lang profitieren werde.

Mein Jahr in Finnland liegt nun mittlerweile anderthalb Jahre zurück. Dennoch habe ich immer noch Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen finnischen Freunden. Natürlich ist auch das nicht einfach, aber wenn sich beide Seiten Mühe geben, kann es durchaus funktionieren.

Fragen über Finnland?

Falls ihr noch Fragen habt, schickt mir einfach eine E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

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„Mein Austauschjahr, das war für mich ein Jahr mit vielen neuen Erfahrungen, ein Jahr mit neuen Freunden, ein Jahr mit einer neuen Familie. Es war ein unvergessliches Jahr.“

Hanna Klein
Austauschjahr in den USA