
Mehr als Wein und Käse
Richard Kunert, Frankreich
Angekommen bin ich in Frankreich auf dem Flughafen Charles de Gaulle im Sommer 2002. Das erste Wochenende in Frankreich verbrachte ich im internationalen Zentrum mit allen anderen Austauschschülern von YFU, die ein Jahr in Frankreich bleiben wollten.
Die ersten drei Tage: Müdigkeit
Wir lernten so viel auf dem Vorbereitungsseminar und ich lernte so viele Leute kennen – und das alles auf Französisch! Das war nicht ganz leicht. Am Sonntag holte mich meine Gastfamilie ab. Ich war aufgeregt und müde. Während der Zugfahrt nach Arras, welches meine Heimatstadt für ein Jahr werden sollte, bin ich erst mal eingeschlafen.
Die ersten Schritte in der neuen Umgebung
Meine Gastfamilie nahm mich sogleich sehr herzlich auf. Ich bekam sogar zum ersten Mal in meinem Leben kleine Geschwister: Hugo (13) und Clément (14). Wir erkundeten dann erst mal die Stadt, aßen Abendbrot und schon war ich wieder im Bett.
Am nächsten Morgen ging es sofort weiter: der erste Schultag, oder, wie die Franzosen sagen, La Rentrée. Dies war der Tag vor dem ich am meisten Angst hatte. Am Ende war aber alles ganz easy: Ich belegte Englisch als erste und Deutsch als zweite Fremdsprache, dazu noch Latein. Im Nachhinein sage ich mir, ich hätte mich doch engagieren sollen, auch Deutsch als erste Fremdsprache zu belegen.
Der erste Schultag hat mir am Ende total gefallen. Die ersten Gespräche etablierten sich ohne größere Probleme. Die Mitschüler hatten echt viel Verständnis für die sprachlichen Schwierigkeiten.
Das Lycée: wie Gymnasium, nur ein bisschen anders
Ich besuchte das Lycée Gambetta, das lediglich die Sekundarstufe II umfasst. Als Austauschschüler sollte man sich im Vorfeld noch in Deutschland recht gut über die verschiedenen Lernzweige informieren, um da nicht die falsche Wahl zu treffen. Zum Vergleich: Ich entschied mich für Littéraire, weil dies am meisten Französischunterricht bedeutet, und für die Première als vorletzte Klasse.
Ich hatte eigentlich nie richtig Probleme mit oder in der Schule. Lediglich samstags früh raus zu müssen war nervig. Der Schultag dauerte auch mal regulär bis 18.00 Uhr, aber dafür waren die Freistunden echt lustig und das Essen in der Cantine deliziös.
YFU France: umfassende Betreuung
Neben dem Einführungsseminar in Paris gab es noch jedes Trimester (etwa alle drei Monate) ein regionales YFU-Treffen. Dort konnten Austauschschüler und Gasteltern zunächst getrennt Probleme besprechen und danach in großer Runde die vergangenen Monate ausgewerten.
Danach aß man landestypische Desserts eines jeden Austauschschülers und spielte Fußball oder Kicker. Die YFU-Treffen waren damit auch eine hervorragende Gelegenheit, andere ausländische Gäste kennen zu lernen.
Zusätzlich hatte man die Nummer einer regionalen Betreuerin, die einen jeden Monat anrief, um zu erfahren, wie es einem geht. YFU-Fance hat auch eine nationale, immer erreichbare Notrufnummer für dringende Notfälle.
Am Ende des Jahres ging es wieder nach Paris zum Auswertungsseminar, auf dem man viele Gesichter wiederentdeckte. Danach führte für alle europäischen Austauschschüler von YFU der Weg zum YES (Young Europeans’ Seminar), eine fantastische Woche zu erleben.
Das Jahr vergeht... viel zu schnell!
Nach einem Monat mit mehr Schlaf- als Wachzustand bemerkte ich, wie sich alles normalisierte. Die Sprache wurde zusehends verinnerlicht und die französischen Freundschaften vertieft. Jeden Mittwoch ging es erst zum Theaterverein und danach ins Café mit Freunden. Schon in den Herbstferien bin ich mit denen dann aufs Land gefahren, zum Spaß haben.
An Weihnachten hat mich dann zum Glück nicht das Heimweh erwischt. Ich verbrachte es mit meiner Gastfamilie und fühlte mich ihr verbundener denn je. Mit ihr ging es im Winter auch noch in die französischen Alpen zum Skifahren und wenige Monate später mit dem Lycée nach Schweden und Belgien zum Schüleraustausch. Ich wurde praktisch doppelt ausgetauscht.
An Ostern hat mich meine deutsche Familie besucht. Man verstand sich blendend. Ich hatte zu dolmetschen, bestand die Prüfung aber mit Bravour.
Dann geht alles ganz schnell. Der Theaterclub hat seine finale Aufführung. In der Schule werden die Prüfungen geschrieben – und schon sitzt man im Zug und sagt vielen Freunden und irgendwie auch vielen Erinnerungen Au Revoir.
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