English English
Drucken

Mijn uitwisselingsjaar in Nederland

Barbara Kaus, Niederlande

Als ich am 3. August 2003 am Bahnhof in meinem Heimatort stand und mich von meiner Familie und Freunden verabschiedet habe, wusste ich nicht wirklich, was mich in den kommenden elf Monaten erwarten würde.

Nach einer etwas anstrengenden Zugreise wurde ich in Heerenveen von meiner YFU-Betreuerin in Empfang genommen. Bei ihr habe ich die erste Woche verbracht, da meine Gastfamilie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub war.

Aufregung vor dem Umzug

Als ich dann nach einer Orientierungswoche im Süden der Niederlande endlich zu meiner Gastfamilie ziehen konnte, war ich noch aufgeregter als bei der Abreise! Ob ich da wohl in die Familie passen würde? Ob ich die verstehen konnte? Ich wollte ja schließlich möglichst bald möglichst gut Niederländisch sprechen!

Das alles stellte sich als kein einziges Problem heraus. Mit meiner Gastfamilie verstand ich mich super, auch wenn ich anfangs noch etwas schüchtern war. Das legte sich aber zum Glück mit der Zeit, weil ich mich einfach pudelwohl gefühlt habe!

15 Kilometer mit dem Fahrrad

Ich besuchte eine Schule, die 15 Kilometer entfernt war. Dort fuhr ich jeden Morgen mit dem Fahrrad hin. Zuerst fand ich das eine äußerst grauenvolle und unzumutbare Tour, aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit.

Die Holländer sind ein sehr offenes Volk und sie gehen ganz unbefangen auf Fremde zu, das fand ich toll! So habe ich in der Schule relativ schnell Anschluss gefunden. Nachmittags habe ich in der Schulband gespielt und in einem Querflötenensemble.

Niederländisch und Friesisch

Die Sprache habe ich übrigens ziemlich schnell ganz gut drauf gehabt, auch wenn das Verstehen am Anfang immer noch einfacher war als das selbst Formulieren! Nach ein bis zwei Monaten konnte ich mich schon gut unterhalten.

Außerdem hatte ich das Glück, in der Provinz Friesland zu wohnen. Die Friesen sind ein ziemlich eigenes Völkchen. Sie sprechen neben dem Niederländischen ihre eigene Sprache (Friesisch), haben ihre eigene Flagge und sogar ihre eigene Nationalhymne! Da auch in meiner Gastfamilie Friesisch gesprochen wird, bin ich sozusagen zweisprachig aufgewachsen.

Wenn Sinterklaas kommt

Ein besonderes Erlebnis war Sinterklaas (Nikolaus). Am 5. Dezember ist pakjesavond, der Tag, an dem die Geschenke ausgepackt werden. Geschenke gibt es zu Nikolaus wie bei uns zu Weihnachten, mit der Besonderheit, dass man zu jedem Geschenk ein Gedicht schreibt und eine „surprise“ macht. Das bedeutet, das Geschenk wird so verpackt, dass man den Inhalt nicht erschließen kann.

Weihnachten dagegen wurde wesentlich kleiner gefeiert. An Heilig Abend bin ich mit meiner Familie in den Gottesdienst gegangen und habe davor meine Geschenke ausgepackt – in der Werbepause von irgend einem Film, der gerade im Fernseher lief. Das war schon komisch, aber ich habe nichts vermisst. Das ganz spezielle „Weihnachtsgefühl“ hatte ich ja an Nikolaus schon gehabt.

Mein Geburtstag

Ende April war dann mein Geburtstag. Zusammen mit meiner Gastschwester Elbrich habe ich eine kleine Feier geplant, zu der ich ein paar Freundinnen eingeladen habe. Das war aber erst einen Tag später. An meinem eigentlichen Geburtstag kamen meine Gastgroßeltern zu Kaffe und Kuchen, mein Gastonkel kam abends noch vorbei und auch unsere Nachbarn kamen kurz rüber.

In Holland ist es Sitte, auch den Familienangehörigen zum Geburtstag zu gratulieren. Als meinen Gasteltern zu meinem Geburtstag gratuliert wurde, habe ich gemerkt, dass ich auch von Außenstehenden zur Familie gezählt wurde. Das war echt ein tolles Gefühl! Überhaupt war das einer der schönsten Tage meines Austauschjahrs!

In der Schule war an diesem Tag der LSD, eine Abkürzung für laatste schooldag (letzter Schultag), so etwas ähnliches wie ein Abistreich. Ich hatte also an meinem Geburtstag weder Unterricht noch Hausaufgaben und konnte den Tag voll und ganz genießen. Außerdem war es der letzte Schultag vor den Maiferien!

Koninginnedag

Am 30. April ist koninginnedag (Königinnentag). Dies ist der Geburtstag der Königin Juliana. Sie war die Mutter der jetzigen Königin Beatrix. An dem Tag fuhr ich mit der ganzen Familie nach Groningen, wo meine Gastschwester Anke wohnt, denn in diesem Jahr sollte die Königin nach Groningen kommen!

Leider haben wir sie verpasst, aber es war den ganzen Tag über ein einziges großes Fest in der Stadt, bis spät in die Nacht hinein. Zusammen mit Elbrich und Hilde (die mittlere meiner Gastschwestern) habe ich bei Anke übernachtet und bin mit Elbrich durch Groningen gezogen, nachmittags erst zum Einkaufen und abends zum Feiern.

Trauriger Abschied

Dann rückte die Abfahrt immer näher. Ich konnte mir immer weniger vorstellen, wieder in Deutschland bei meiner echten Familie zu wohnen.

Der letzte Tag war schrecklich. Ich hatte mich schon drei Tage vorher von Anke verabschieden müssen, die zurück nach Groningen fuhr. Schon da habe ich geheult. Aber als ich dann endgültig ins Auto steigen musste, das mich zum Bus bringen sollte, habe ich den Tränen einfach freien Lauf gelassen.

Elbrich und ich hatten als Abschiedsgeschenk noch eine Kette mit Kleeblattanhängern von unseren Eltern bekommen, mit den Worten: „Du hast ein Jahr lang zu unserem Kleeblatt gehört. Jetzt gehst du nach Hause zu eurem Kleeblatt dort. Aber du wirst immer zu unserem Kleeblatt gehören!“

Willkommen zu Hause

Als ich dann aber nach fünf Tagen YES (Young Europeans‘ Seminar) in Hannover ankam und meine Familie wiedersah, die ich ein Jahr zuvor zurückgelassen hatte, freute ich mich doch riesig! Als Überraschung standen meine drei besten Freundinnen mit einem Bettlaken mit der Aufschrift „HERZLICH WILLKOMMEN!“ vor unserer Haustür. Das war wirklich ein gelungener Abschluss – und gleichzeitig ein neuer Anfang.

Zurück zu Erfahrungsberichte Niederlande


© 2005-2011 Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.
 

„Mein Austauschjahr, das war für mich ein Jahr mit vielen neuen Erfahrungen, ein Jahr mit neuen Freunden, ein Jahr mit einer neuen Familie. Es war ein unvergessliches Jahr.“

Hanna Klein
Austauschjahr in den USA