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Holland? Warum das denn?

Henrike Hoeren, Niederlande

Austauschschülerin Henrike Hoeren mit einer Gruppe von Freunden in den NiederlandenDas ist die Frage, die ich oft zu hören bekommen habe. Ich wohnte in der Nähe von der Grenze, niemand verstand warum gerade Holland. Selbst die Menschen von YFU schauten mich etwas merkwürdig an, als ich mich für kein anderes Land außer Holland bewarb. Holland ist für mich immer schon ein Land mit verrückten Menschen, leckeren Keksen und Windmühlen gewesen, aber mehr wusste ich nicht. Viele Leute denken, es ist wie Deutschland. Der Meinung war ich nicht und das wollte ich entdecken.

Abfahrt

Alles fing an einem schönen Augusttag an, an dem ich doch mit Tränen am Bahnhof stand und Abschied nahm von Freunden und Familie. Zwar dauerte die Fahrt nur 3 Stunden, doch würde ich alle ein Jahr lang nicht mehr sehen. Der Zug kam, ich stieg ein und mein Austauschjahr in Holland fing an!

Amsterdam

Meine Gastfamilie war im Urlaub, deshalb hatte ich den Luxus, dass ich meine ersten zwei Wochen bei einer Familie mitten in Amsterdam wohnen durfte. Zusammen mit einem anderen Mädchen aus Ecuador, die dasselbe Schicksal teilte, erkundeten wir Amsterdam. Das war echt eine schöne Zeit, wir hatten viel Spaß und Freiheiten und waren überall.

Willkommenscamp

Henrike erlebt niederlänische WeihnachtstraditionenZwischendurch hatten wir ein 3-tägiges Camp, mit allen Austauschschülern in Holland, mit wenig Schlaf, mit einem Mischmasch von Sprachen und Kulturen. Wir waren auch einige Deutsche und ich habe da Freundinnen kennen gelernt, die ich bis heute noch habe. Auch war es toll, alle anderen Kulturen kennen zu lernen.

Meine Gastfamilie

Nach diesen spannenden Wochen war es soweit, ich kam zu meiner richtigen Gastfamilie, die mich sehr herzlich aufnahmen. Isabelle (10), Daan (14) und Thijs (17) und ich probierten uns mit Händen und Füßen zu verständigen, was irgendwie auch klappte. Danach ließ die Familie mich das Dorf sehen und wir gingen Poffertjes essen.

Laren, wo ich wohnte, ist anders als der Rest in Holland. Es liegt mitten im Gooi, das ist der Teil, wo alle reichen Holländer und Stars wohnen. Deshalb sieht man viele großen Villen, große Autos und teure Geschäfte. Ich war beeindruckt.

Ich hatte zum Glück noch Ferien und konnte so die ganze Umgebung gut erkunden. Das Mädchen aus Ecuador kam zufällig in eine Gastfamilie ganz in der Nähe, so konnten wir uns noch treffen.

Erster Schultag

Der erste Schultag ist natürlich sehr spannend. Mein zwei Gastbrüder gingen auf dieselbe Schule, trotzdem fühlte ich mich einsam als meine Gastmutter mich absetzte. Diese gingen doch zu ihren Freunden und auf einmal stand ich da. Den erste Klassenraum zu finden, war eine Herausforderung, aber zum Glück waren alle nett. Trotzdem fragten mich auch alle, warum ich aus Deutschland hier hin komme, aber das lieferte gleich guten Gesprächsstoff.

Als es aber zur Pause klingelte, waren alle weg und wie in amerikanischen Filmen waren alle Tische mit bestimmten Gruppen besetzt. An dem Tag habe ich dann mein Pausenbrot auch auf der Toilette gegessen. Der Tag ging sehr schnell vorbei und bevor ich denken konnte, war ich wieder zuhause.

Als Deutsche hatte ich natürlich schon den Vorteil, dass ich die Sprache schnell aufpickte, obwohl ich keinen Kurs gemacht habe. Viele Wörter ähneln sich und sobald man sich traut, kann man durch das Sprechen viel lernen. Das Ähneln der Wörter ist aber auch gefährlich, weil man schnell Sachen in Holländisch sagt, die man nicht will. Auch können viele Deutsch sprechen, deshalb muss man Leute manchmal bitten, doch Holländisch zu sprechen.

Ich habe aber von Tag Eins probiert, nur Holländisch zu reden, was im Nachhinein meine Rettung war, weil ich so den Akzent schnell gelernt habe. Der Akzent mit dem ‚halsschmerzen-g’ ist sowieso am gewöhnungsbedürftigsten.

An die Sprache hatte ich mich gewöhnt, genau wie an andere kleine Eigenarten: das holländisch Essen, abends warm, immer die Flagge draußen, die drei Küsschen bei Begrüßung und so weiter. Das Vorurteil mit den Fahrrädern ist wahr: Es ist normal, 15 Kilometer bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zu fahren, obwohl ein Bus fährt.

Die Zeit flog vorbei und schon stand Weihnachten vor der Tür. Nur wird das in Holland eigentlich zweimal gefeiert, nämlich mit Sinterklaas, was ein bisschen zu vergleichen ist mit Nikolaus. Wir haben Lose gezogen und für einen aus der Familie musste ich ein Geschenk kaufen und dabei ein Gedicht über denjenigen schreiben. Das Geschenk wird aber dann verrückt eingepackt, nämlich in irgendetwas, was man nicht erwartet, zum Beispiel bei mir in einer Kuckucksuhr, weil ich manchmal zu spät kam;). Ein sehr schöner Brauch, auch sehr persönlich. Sinterklaas kam auch zu mir, um aus seinem Buch zu lesen.

Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich kürze es ab. Je näher der Zeitpunkt kam, an dem ich wieder nach Hause musste, desto mehr wollte ich nicht. Mir gefiel das Land so sehr, ich habe Freunde fürs Leben gefunden, warum muss ich wieder zurück. Verrückt wie ich manchmal bin, setzte ich die Idee durch und bin im Mai bei meiner Gastfamilie ausgezogen und in eine Studenten WG. So konnte ich mein holländisches Abitur machen und bei meinen Freunden bleiben. Seit fast 2 ½ Jahre wohne ich nun in Holland und habe es nicht bereut.

Ich hoffe, dass noch mehr Leute die Idee, nach Holland zu gehen als Möglichkeit sehen, weil das genauso ein Austauschjahr ist wie in anderen Ländern. Die Holländer sind ein liebes kleines, verrücktes Völkchen, die sich über alle freuen, die in ihr Land kommen!

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Ganz unbestritten ist aber das Beste an meinem Austauschjahr, dass ich so tiefe Freundschaften knüpfen konnte! Das erst macht aus jedem Tag des Austauschjahres ein einmaliges Erlebnis und aus jedem Besuch in Schweden eine Heimkehr.

Simone Drost
Austauschjahr in Schweden