
Mit dem Bento zum Kendo
Ole Maas, Japan
Wer zu wissen glaubt, was eine Großstadt ist, aber Europa noch nicht verlassen hat, der sollte sich Tokyo mal ansehen. Ich habe mein Austauschjahr bei einer Familie in einem Vorort von Tokyo verbracht.
Tokyo ist eine faszinierende Stadt, die mich sehr begeistert hat. Der Distrikt Tokyo ist selbst nur ein kleiner Teil dieser Metropole.
Die Stadt umfasst heute die ganze Bucht von Tokyo, geht ohne Grenze in Yokohama über und bildet so ein riesiges Meer von Häusern. Rund um die Bucht leben wohl mehr als 25 Mio. Menschen. Ich habe schon gelesen, dass dies der größte Ballungsraum der Welt sei.
Diese Stadt mag auf ersten Blick wie ein Chaos erscheinen, hat aber ein beeindruckende Ordnung. Diese Ordnung entdeckt man, je tiefer man dort eintaucht.
Beeindruckendes U-Bahn-System
Zum Beispiel die weltberühmte Tokyoer U-Bahn: Von Unwissenden als ein Labyrinth ohne Ausgang bezeichnet, habe ich diese als ein fantastisch organisiertes System kennen gelernt. Man darf sich nur nicht durch die Massen von Menschen abschrecken lassen, die mit einem in den Zügen unterwegs sind.
Mehrfach habe ich während meines Austauschjahres andere Ausländer wieder in die richtige Richtung geschickt oder ihnen eine Fahrkarte gekauft. In solchen Momenten fühlt man sich schon etwas stolz, anderen „seine“ Stadt erklären zu können. Und wenn ich selbst mal verloren war, habe ich die Japaner als ausgesprochen hilfsbereite Menschen kennen gelernt.
Fast jeden Tag dreimal Reis
Meine Gastfamilie Ito lebt in dieser Megapolis am Westrand. Ich wurde von meinen beiden neuen Geschwistern und meinen Gasteltern sehr herzlich aufgenommen. Okasan (japanisch für Mutter) kocht sehr leckeres Essen. Ich habe ein Jahr lang fast jeden Tag drei Mal Reis gegessen und dazu die besten Sachen aus Fisch, Gemüse und ein wenig Fleisch.
Die japanische Küche ist sehr lecker und ganz anders als alles, was man hier in asiatischen Restaurants kennen lernen kann. Sie besteht auch nicht nur aus Sushi, sondern zeigt eine riesige Vielfalt. Mein persönliches Lieblingsessen wurde Tempura, kleine frittierte Happen aller Art! Hmmmmmmm...
Das Bento für die Mittagspause
Zur Schule habe ich jeden Tag ein so genanntes Bento mitgenommen. Das sind kleine Lunchboxen. In der Regel hat so eine Box zwei Etagen. In der einen befindet sich dann Reis, in der anderen Gemüse, Fleisch und andere kleine Häppchen. Wenn man dann in der Mittagspause in der Schule mit Heißhunger das Bento auspackt, wird diese Blechdose zu einer wahren Schatztruhe!!!
Die Hachioji High School
Meine Schule war die Hachioji High School. Eine Schule mit fast 2.000 Schülern in nur drei Jahrgängen. Ich fuhr jeden morgen mit der Bahn zur Schule, wo ich schon die ersten Mitschüler leicht an der Schuluniform erkennen konnte.
Die Schule ist ganz anders als hier in Deutschland. Als Austauschschüler ist es natürlich am Anfang sehr schwierig, dem Unterricht so zu folgen, da man mit seinem Japanisch noch ganz am Anfang ist. Ich habe aber im Englisch-Unterricht einfach die Vokabeln „rückwärts“ gelernt. So half auch mir der Unterricht weiter und ich habe viel gelernt.
Konzentration beim Kendo
Das Beste an der Schule ist der Sport am Nachmittag. Es gibt verschiedene Klubs. Von Theater bis zu Karate kann man fast alles lernen. Ich wurde Mitglied im Kendo-Klub.
Kendo ist eine traditionelle japanische Sportart. Es ist ein Fechtsport, der viel Konzentration und Beherrschung verlangt.
In so einem Sportklub bekommt man guten Anschluss an seine Mitschüler. Im Sommer fuhren wir eine Woche in Trainingslager in die japanischen Berge. Auf halben Weg nach Nagano (olympische Winterspiele 1996) in den Wäldern wurde eine Woche hart trainiert. Ich glaube, ich war nie in meinem Leben so fit wie damals!
Alles in allem habe ich in Japan so viele tolle Leute und Dinge kennen gelernt, dass ich jetzt immer noch oft daran denke. Mein Austauschjahr ist eine unersetzliche Erfahrung!
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