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Häuser und Wohnungen in Japan

Nina Krickel, Japan

Wohnsiedlung in JapanEin japanisches Haus betreten ist wie eine fremde Welt betreten. Alles ist anders, alles ist neu und man weiß nie, was als nächstes auf einen zukommt.

Hindernis Nummer 1: Das Türschloss (oder: Alles falsch herum)

Als ich das erste Mal vor einem japanischen Haus stand und die Haustür aufschließen wollte, passierte – genau – nichts. Ich hielt den Schlüssel gedreht, zog und drückte, ließ den Schlüssel wieder los, zog und drückte und absolut nichts geschah. Nun öffnen auch Japaner ihre Türen mit einem Schlüssel, aber was man dabei bedenken muss, ist die japanische Gepflogenheit wirklich alles „falsch herum“ zu machen. Autos fahren auf der linken Straßenseite, Bücher liest man von hinten nach vorne, geschrieben wird in der Regel von oben nach unten, den Nachnamen nennt man vor dem Vornamen und Türen öffnet man natürlich, indem man den Schlüssel zum Schloss hin anstatt davon weg dreht. Sodann gehen japanische Haustüren selbstverständlich auch nicht nach innen auf sondern nach außen. Das wiederum hat aber wenigstens einen guten Grund, denn direkt hinter der Haustür befindet sich der Genkan, also der Bereich, in dem man seine Schuhe auszieht. Um zu verhindern, dass man irgendwann vor lauter Schuhen die Tür nicht mehr öffnen kann, müssen die Türen nach außen aufgehen.

Hindernis Nummer 2: Die Schuh-Ordnung (jeder Schuh zu seiner Zeit)

Hat man dieses erste Hindernis überwunden und ist tatsächlich in das Haus gelangt, sieht man sich den nächsten Rätseln japanischer Wohnkultur gegenüber. Nachdem man sich im Genkan die Schuhe ausgezogen hat, schlüpft man in Hausschuhe, die für Gäste immer bereit stehen, überwindet die paar Meter zum japanischen Zimmer, um sie dort wieder auszuziehen. Jedes japanische Haus, so modern es ansonsten auch sein mag, verfügt über ein japanisches Zimmer mit traditioneller Schiebetür, Wänden aus Papier und einem Boden aus Tatamimatten. Da man Tatamimatten nicht mit Schuhen betreten darf, muss man diese vor Betreten des Raumes ausziehen. Dasselbe kann für das Betreten von Badezimmern und Gäste-Toiletten gelten - mit dem Zusatz, dass man dort unter Umständen noch in spezielle Kloschuhe wechseln muss, mit denen man wiederum diese Räumlichkeiten auch nicht verlassen darf. Kloschuhe sind aber zum Glück nicht immer unbedingt gegeben. Also noch mal zusammengefasst: Straßenschuhe nur im Genkan und niemals im eigentlichen Wohnbereich (ein Beerdigungsfall stellt hier allerdings eine Ausnahme dar), Hausschuhe im Haus, aber nie im japanischen Zimmer oder sonst irgendwie auf Tatamimatten und unter Umständen auch nicht im WC-Bereich. Dort dann Kloschuhe, aber auch nur Kloschuhe. Klingt alles etwas kompliziert? Ist es auch.

Dem Durchschnittseuropäer wäre das jetzt alles schon wieder viel zu umständlich, denn mal ehrlich, wer zieht schon die Schuhe aus, wenn man schon auf dem Sprung ist und nur mal eben das Portemonnaie vergessen hat? Oder wenn man mit schweren Einkaufstüten beladen ist, die in die Küche gehören? Aber wie alles in diesem Land ist eben auch das ein bisschen anders und im Allgemeinen gilt: Wenn etwas praktisch ist, ist es in der Regel falsch.

Hindernis Nummer 3: Das Bad (von Tonprinzessinnen und beheizten Klobrillen)

Eine japanische ToiletteNeben dem japanischen Zimmer gibt es noch etwas, das die japanische Zimmeraufteilung von der westlichen unterscheidet. Bad und Toilette sind in Japan nämlich immer getrennt. Ich persönlich finde aber, dass das eine ganz gute Idee ist. So ist die Toilette nämlich nicht blockiert, wenn jemand duscht – bzw. im japanischen Fall eher badet – und wenn man Hausbesitzer ist, können sogar zwei Leute gleichzeitig auf Toilette gehen, während einer duscht. Was will man mehr?

Allerdings ist auch ein japanisches Badezimmer – wer hätte es gedacht? – wieder etwas anders. Es besteht nämlich aus zwei Zimmern. Einem, in dem man sich auszieht und einem zweiten, in dem man dann wirklich duscht. In diesem zweiten Raum wäscht man sich zuerst unter der Dusche und steigt erst wenn man ganz sauber ist in die Badewanne. Das eigentliche Bad dient nämlich nicht zum Waschen, sondern lediglich zur Entspannung und wird deswegen auch von allen Familienmitgliedern nacheinander benutzt. Das ist im Normalfall auch kein Problem, da das Wasser durch das vorherige Duschen ja sauber bleibt. Nur auf Schaumbäder muss man verzichten. Badeschaum oder andere Zusätze werden nämlich nicht verwendet.

Das WC selbst hält im Übrigen auch einige Sonderfunktionen bereit. So sind die Klobrillen zum Beispiel beheizt. Okay, beim ersten Mal ist es etwas komisch, aber danach fragt man sich, wie man ohne beheizte Klobrillen überhaupt leben kann. Die Temperatur kann man selbstverständlich selber einstellen, was aber dazu führen kann, dass man sich den Allerwertesten verbrennt. Vorsicht ist hier also geboten. Sodann enthält jede Toilette auch noch eine Bidé-Funktion, sowie eine Föhnfunktion für danach. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber Klopapier gibt es ja zum Glück trotzdem noch. Öffentliche Damentoiletten sind sogar noch um eine Funktion erweitert: die Tonprinzessin. Japanerinnen ist es nämlich so peinlich, wenn man beim Klogang Geräusche hören kann, dass sie früher zur Übertönung pausenlos die Spülung laufen hatten. Um dieser Wasserverschwendung ein Ende zu bereiten, ist irgendein schlauer Mensch auf die Idee gekommen, ein Gerät zu entwickeln, das diese Geräuschkulisse einfach vortäuscht. Die Tonprinzessin war geboren.

Hindernis Nummer 4: Die Möbel (Löcher im Boden und Schmerzen im Rücken)

Aber zurück zum Haus. Wenn man sich einmal in dieser ungewohnten Zimmeraufteilung zu Recht gefunden hat, sieht man sich schon dem nächsten Problem gegenüber, nämlich bisher ungekannten Möbeln. Was ein Kotatsu ist, wusste ich schon vorher, nämlich ein Tisch mit einer Wärmedecke, aber kann sich einer meine Irritation vorstellen, als ich das erste Mal mit der Aussage „Schalt doch einfach den Teppich ein“ konfrontiert wurde?

Im Winter ist es in Japan in den Häusern auf Grund der lächerlich dünnen Wände einfach sehr kalt, und weil es wegen der vielen Erdbeben keine Zentralheizungen gibt wie bei uns, gibt es zum Beispiel beheizbare Teppiche. Fußbodenheizung zum Ausrollen sozusagen. Zum Glück gibt es neben Kotatsu und Heizungsteppichen auch noch Heizlüfter. Ich selber bin ein großer Fan dieser Gebläseteile, denn man kann fast jede beliebige Temperatur einstellen. Das bedeutet: Im Sommer hat man eine Klimaanlage und im Winter eine Heizung. Sollte man hier in Deutschland vielleicht auch mal einführen.

Außerdem sollte man sich nicht wundern, wenn sich in einem japanischen Wohnzimmer buchstäblich Löcher im Boden auftun. Dass an Minitischen auf dem Boden sitzen keine besonders bequeme Haltung ist, ist sogar Japanern schon mal aufgefallen. Deswegen kann es sein, dass es unter diesen niedrigen Tischen ein Loch im Boden gibt, in das man dann seine Füße stellen kann. Nur leider gibt es dieses praktische Feature viel zu selten, weshalb man noch oft genug mit Rücken- und Beinschmerzen zu kämpfen hat.

Nun gibt es in Japan nicht nur uns bisher ungekannte Möbel. Wegen der Erdbeben gibt es auch noch Regeln, wie diese zu stehen haben. Ein Schrank darf beispielsweise nicht so stehen, dass er auf ein Bett fallen könnte. Deswegen sind viele Schränke einfach schon von vornherein in die Wand eingebaut oder wenigstens an eine solche angeschraubt. Auch Vitrinen sind in vielen Fällen mit extra Hebeln oder Sperren versehen, damit man nicht von seinem eigenen Geschirr erschlagen werden kann. Selbiges gilt natürlich auch für die Kücheneinrichtung. Die Hebel von Wasserhähnen gehen bei den neueren Modellen immer nach oben, damit bei einem Erdbeben der Wasserhahn nicht von fallenden Gegenständen ausgelöst werden kann. Die Küche ist im Übrigen auch ein gutes Beispiel dafür, dass sich der Inhalt der Schränke ebenfalls von unserem unterscheidet. So wird man in einer japanischen Küche häufiger Reiskocher als Mikrowellengerichte vorfinden.

Hindernis Nummer 5: Die Mülltrennung (man kann nie genug trennen)

Mülltrennung ist auch so ein etwas heikles Thema in diesem Land und je nachdem wo man wohnt, kann einen das durchaus zur Verzweiflung treiben. Es gibt nämlich keine landesweite einheitliche Regelung für die Trennung von Müll. Wenn man in Tokyo wohnt, hat man noch Glück gehabt. Dort unterscheidet man einfach nur zwischen brennbar und nicht brennbar. Natürlich gibt es noch Biomüll und Altpapier und Glas und Aluminium kommt auch extra, aber im Großen und Ganzen ist das wirklich nicht so dramatisch. Wohnt man hingegen in Shizuoka steht man vor einem wirklichen Problem, denn dort trennt man seinen Müll nach sage und schreibe 26 verschiedenen Kriterien. Wen wundert es da noch, wenn so viele ihren Müll nicht trennen?

Hindernis Nummer 6: Das Straßenbild (man kann nie zu wenig Platz haben)

Ganz allgemein ist natürlich auch das Straßenbild ein anderes. Die meisten Häuser haben nämlich keinen Garten, vielleicht einen 5m² Vorgarten, aber keinen Garten im eigentlichen Sinne. Sodann würden wohl auch japanische Balkone bei uns wohl kaum als solche durchgehen. Bestenfalls als eine 1m lange Rinne, die reicht um seine Wäsche aufzuhängen (wozu japanische Balkone auch ausschließlich genutzt werden). Außerdem und wieder einmal wegen der vielen Erdbeben sind die Stromleitungen überirdisch verlegt und Strommasten gehören zum normalen Straßenbild einfach dazu.

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„Es war anders - und noch besser, als ich dachte!“

Anika Schachtschneider
Austauschjahr in Kroatien