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Zehn Monate Japan!

Jule Frey, Japan

Jule Frey zusammen mit japanischen Freunden Mangas, Animes, Sushi, Nintendo, Hiroshima, Origami, Tokyo, der Fuji, Kanji, Kimono, und Karaoke - ich glaube, wir waren schon ganz schön im Japan- Fieber, als meine Schwester und ich uns vor einem Jahr entschieden haben, für zehn Monate als Austauschschüler das Land der aufgehenden Sonne zu entdecken.

Fast ein Jahr in einer anderen Familie, in einem uns so fernen Land und einer fremden Gesellschaft, das wäre doch sicher eine absolut einzigartige Erfahrung! Eine Chance, etwas von der Welt zu sehen und wirklich zu verstehen - über das Gastland wie über das eigene, aus einer neuen Perspektive.

Besonders in der langen Vorbereitungszeit hatte ich natürlich manchmal ganz schön Zweifel, für 10 Monate meine Familie, meine besten Freunde zu verlassen. Und was, wenn ich in der Schule keine Freunde fände oder mit der Sprache, die ich erst angefangen hatte zu lernen, überhaupt nicht weiterkäme?

Unterwegs nach Tokyo

Aber schließlich waren meine Arme punktiert, somit der Impfpass gefüllt, alle Aufsätze, Briefe und Anträge abgeschickt, Dokumente eingesammelt, die „Sache mit dem Geld“ geregelt, und schließlich auf den letzten Drücker auch der Koffer gepackt- 50 Kilo - „was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen...“

Als wir 18 Schüler also mit unseren vielen Wünschen, Ängsten, und noch mehr guten Ratschlägen gemeinsam von Wien aus in den Flieger stiegen, war die Aufregung richtig zu spüren, schließlich kehrten ja auch viele Japaner mit dem selben Flug zurück!  Eine nette Japanerin - beispielhaft  für die Hilfsbereitschaft dieses Landes - hat mir im Flieger auch beim Ausfüllen der komplizierten Einreisepapiere geholfen, es war sogar ein Fingerabdruck nötig!

Dann waren wir da! Nach etwa 12 Stunden Flug kamen wir mittags am Tokyo-Narita- Flughafen an! Zum Glück lag die Zeitverschiebung, ganze 8 Stunden, so günstig, dass wir im Flugzeug etwas schlafen konnten (oder Pocahontas auf Japanisch sehen), so waren wir größtenteils wach genug, um uns im Bus aufgeregt nach Tokyos riesigen Wolkenkratzern umzusehen, und zu versuchen, uns im Vorbeifahren  so viele Straßenschilder und Werbeplakate vorzulesen und zu fotografieren, wie unsere Kameras und Köpfe es aufnahmen. Immerhin werden im Japanischen Alltag außer der lateinischen Schrift und chinesischen Kanji noch zwei weitere Alphabete benutzt! Die erste Woche waren wir gemeinsam mit Austauschschülern aus der ganzen Welt im Olympic Memorial Center zur Vorbereitung.

JapanManga, Ocha und ferngesteuerte Toiletten

Es war fantastisch, auf Englisch über J-Pop und Manga-Comics zu philosophieren, und zusammen das erste Mal Ocha, den kalten, grünen Tee, der hier praktisch unser Mineralwasser ersetzt, oder Pfirsichmilch, süße Zitrone, Zuckerkaffee und die unzähligen Sportgetränke an den zahlreichen Automaten zu probieren. Am Anfang war das noch ein echtes Glücksspiel, bei unseren Japanischkenntnissen ... und einige seltsame Sachen kann ich bis heute nicht übersetzen.

Wir sind auf Japanisch (plus Pantomime) Luftpostumschläge und japanische Süßigkeiten einkaufen gegangen. Ich war auch sehr beeindruckt von diesen beheizbaren, ferngesteuerten Duschtoiletten, genau wie von diesen Löchern im Boden in der Nachbarkabine ... Man denkt echt zuerst, dass die Sitze irgendwie abhanden gekommen sind!

In Tokyo haben wir mit dem KUMON - System das Sprachenlernen richtig angefangen oder es fortgesetzt, uns am Buffet ein echt japanisches Frühstück zusammengestellt, mit riesigen Reisportionen, immer brav vorm Essen „itadakimaaasu“ gesagt, und schließlich sogar Natto probiert - das sind schleimige, vergorene Bohnen, die sehr gesund sein sollen, nur leider für unsere ungebildeten Ausländernasen fürchterlich stinken.

Besonders an das öffentliche heiße Bad kann ich mich gut erinnern; ich bin tatsächlich im Badeanzug rein, das geht ja gar nicht! Zum Glück wussten wir wenigstens, dass man sich schon vor dem Bad sehr gründlich wäscht. Wenn man im heißen Wasser das Gefühl abgelegt hat, einem Hummer gleich gekocht zu werden, gibt es kaum etwas Entspannenderes nach einem langen Tag. Wir haben auch mit unseren Betreuern, ehemaligen YFU-Teilnehmern, abends nach dem Programm Origami gefaltet und UNO gespielt! Einiges gibt es halt überall, auch McDonalds gehört dazu.

Endlich in die „neue“ Familie!

Nach einer Woche voll von Entdeckungen dieser Art haben uns dann unsere Gastfamilien abgeholt. Wir waren völlig nervös, schließlich sollten wir uns vor versammelter Mannschaft vorstellen, Englisch war natürlich tabu.

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob wohl diese Frau meine Mutter sein würde, oder dieses Mädchen meine Schwester? Ich hatte sie dann aber doch nicht entdeckt. Yoshimi-chan und Okaasan („Mutter“) hatten wirklich zusammen den weiten Weg gemacht, um mich abzuholen.

Im ersten Moment waren wir einfach im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos, ich hatte meinen Wortschatz wirklich überschätzt, und auch Englisch war keine echte Alternative.

Also haben wir schnell ein Foto geschossen, mit dem in Japan nicht wegzudenkenden Cheese-Zeichen, Zum Glück hatte ich auf der stundenlangen Zugfahrt Fotos, und Yoshimi ein Handy dabei, sodass wir doch schnell ins Erzählen kamen.

Jetzt wohne ich auf einer Art Hof in der Chiba-Präfektur, in einer eher ländlichen Gegend, die für den Gemüseanbau bekannt ist; Okaasan, Otousan und die Großeltern arbeiten viel auf den Reis- und Gemüsefeldern, und oft sitzen wir draußen zusammen und essen zum Beispiel superleckere selbstgezogene Wassermelonen, die auch einer der Hunde sehr mag. Auch meine ältere Gastschwester arbeitet schon, aber zu Anfang war es ein besonders tolles Erlebnis, mit Yoshimi in eine Klassenstufe derselben Schule zu gehen! Sie ist jetzt schon selbst in Amerika, daher ist sie auch gut in Englisch und hat mir sehr viel beigebracht.


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„Ein Austauschjahr ist, als würde man für ein Jahr ein völlig neues Leben ausprobieren“

Konstantin Käppner
Austauschjahr in Litauen