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Ein Volk wie eine große Familie

Konstantin Käppner, Litauen

Ein Austauschjahr ist, als würde man für ein Jahr ein völlig neues Leben ausprobieren – denn obwohl Litauen und Deutschland gar nicht einmal so weit entfernt voneinander liegen, sind es doch zwei unterschiedliche Kulturen.

„Warum gerade Litauen?“

Ich wurde hier mit einer unglaublichen Freundlichkeit empfangen. Vielleicht liegt es daran, dass ich zur Gruppe der ersten Austauschschüler gehöre, die mit YFU in dieses Land kommen. Auf jeden Fall sind die Leute sehr aufgeregt und freuen sich riesig, dass wir uns entschieden haben, in ihre Heimat zu kommen.

Austauschschüler in LitauenAuch Versuche, die litauische Sprache zu lernen, werden sehr gerne gesehen. Die erste Frage, die mir gestellt wird, ist immer die gleiche: „Warum gerade Litauen?“ Ich habe mich für dieses Land entschieden, weil mich Osteuropa schon immer sehr interessiert hat. Ich habe mit meiner Familie schon oft in Osteuropa Urlaub gemacht und fühle mich diesem Erdteil dadurch verbunden. Es ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht!

Heimisches Flair in Vilnius

Es sind die vielen Unterschiede, egal wie groß oder klein, die das ganze Jahr so interessant machen. Ich komme aus Berlin, deswegen ist Vilnius mit 600.000 Einwohnern für mich eine relativ kleine Stadt. Ich bin es einfach nicht gewohnt, ständig Bekannte zu treffen. Dadurch entwickelt Vilnius aber ein sehr heimisches Flair, das mir unheimlich gut gefällt.

Auch hilft es eine Menge beim Eingewöhnen, dass ich hier schon so viele Leute kenne, obwohl ich noch nicht sehr lange hier lebe und nicht mal gutes Litauisch spreche.

Es ist interessant zu sehen, dass dieses Volk wie eine große Familie ist, und man erfährt eine Menge an gegenseitiger Hilfe. Es ist zwar nicht immer ganz leicht, aus dem zu 60 Prozent atheistischen Berlin in das zu 85 Prozent katholische Litauen zu kommen, aber es geht doch immer irgendwie.

Begeistert von Schuluniformen

In Deutschland besuche ich ein musikbetontes Gymnasium und zudem eine der besten Schulen Berlins. Hier bin ich Schüler des Vilniaus Je.zuitu; Gimnazija, eines mehr als dreihundert Jahre alten Jesuitengymnasiums, das zu den besten Schulen Litauens zählt.

Ganz anders als in Deutschland sind an meiner Schule hier zum Beispiel Schuluniformen Pflicht – und ich bin davon begeistert! Das würde ich auch gerne an meiner Schule in Berlin einführen, weil die Uniformen das Gemeinschaftsgefühl ungemein stärken. Außerdem wird es einem unheimlich leicht gemacht, morgens sein Outfit zusammen zu stellen.

Erweitertes Weltbild

Als Kind aus der ehemaligen DDR bin ich sehr interessiert daran, den ehemaligen „real existierenden Sozialismus“ mit einer ehemaligen Sowjetrepublik zu vergleichen. Ich konnte mir bis vor kurzem nicht vorstellen, dass es so schwer sein kann, eine öffentliche Schwimmhalle zu finden. Ich hätte auch nie gedacht, dass es so viele Unterschiede gibt, aber mein Weltbild wurde dadurch noch ein Stück erweitert.

Spaß in der Gastfamilie

Auch ist meine Familie in Deutschland ganz anders als meine jetzige Familie. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und meine Familie hier gehört schon zur Bürgerklasse. Zum Beispiel ist ihr Haus vollkommen anders als unsere Wohnung in Berlin. Das sind allerdings Unterschiede, die zwar offensichtlich sind, letztendlich aber unwichtig.

Ich will später einmal für die Europäische Union arbeiten und es freut mich unheimlich, dass mein Gastvater im Umweltministerium für die Verteilung der EU-Gelder zuständig ist. Wir haben eine Menge Spaß zusammen und auch wenn wir politisch nicht immer ganz einer Meinung sind, führen wir sehr oft wunderbare Diskussionen.

Ständiger Wandel

Sicher wäre es einfacher gewesen, eine andere Sprache in einem anderen Land zu lernen, da Litauisch nicht sehr leicht ist – aber ich möchte den Wandel, den Litauen gerade durchläuft, nicht missen. Jeden Tag verändert sich etwas und man kann der Wirtschaft wie Sonnenblumen beim Wachsen zusehen.

Für ein Kind, das wie ich aus dem zurzeit von Konjunkturflauten geprägten Deutschland kommt, ist das eine neue Erfahrung – und die hätte ich in Frankreich oder Amerika nicht machen können.

„Heimat“ mit völlig neuer Bedeutung

Man lernt im Austauschjahr nicht nur die Kultur des Gastlandes kennen und schätzen, sondern auch die eigene. Seit kurzer Zeit hat das Wort „Heimat“ eine völlig neue Bedeutung für mich. Ich hatte eigentlich immer vor, nach meinem Austauschjahr in der Schule mit der 12. Klasse weiterzumachen, aber ich bin hier erst in der 10. und werde deswegen wahrscheinlich doch die 11. Klasse machen müssen. Aber das ist mir jetzt egal, weil ich erkannt habe, dass ich hier Dinge lerne, die man in Deutschland so einfach nicht lernen kann.

Das schönste Jahr meines Lebens

Ich bin überglücklich in Litauen und möchte mich hiermit bei meiner Gastfamilie, meinen Förderern und bei YFU dafür bedanken, dass ich das schönste Jahr meines Lebens realisieren kann!

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„Durch die Herzlichkeit und Lebensfreude der Südafrikaner werde ich wohl immer wieder kommen müssen, um den Teil meines Herzens zu besuchen, der dort einfach nicht weg will.“

Anna Rebecca Sukkau
Austauschjahr in Südafrika