
Den Freunden ganz nah
Silke Schleiff, Polen
Polen liegt in den Köpfen vieler Deutscher sehr weit entfernt. Dabei ist es unser Nachbarland – und seine Nachbarn sollte man doch eigentlich kennen!
Ich hatte mich jedenfalls entschlossen, mein Austauschjahr in Polen zu verbringen, und konnte danach alle Vorurteile und Zweifel meiner Freunde zerstreuen.
Polen ist nicht unattraktiv – ganz im Gegenteil! In Polen gibt es viele wunderschöne Städte mit einem vielseitigen und interessanten kulturellen Angebot.
Es gibt nicht nur graue Wohnblocks, sondern auch liebevoll restaurierte Altstädte, die man in Deutschland nur selten findet.
Auch landschaftlich hat Polen eine Menge zu bieten: im Süden die Gebirge, im Norden die Ostsee, im Osten die Masurische Seenplatte und überall Wälder, Wiesen und Wasser.
Polnisch ist praktisch
Mit Polnisch kann man viel anfangen! Polnisch ist zwar nicht ganz leicht, aber der Sprachkurs von YFU zu Beginn des Austauschjahres hilft dabei, schnell Fortschritte zu machen. Nach drei bis vier Monaten in Polen können sich Austauschschüler oft schon fließend verständigen und bis dahin kann man sich mit Englisch oder Deutsch weiterhelfen.
Wenn man erst einmal eine slawische Sprache beherrscht, versteht man auch fast alle anderen – das ist sehr praktisch! Außerdem gibt es nur wenige Deutsche, die gut Polnisch sprechen. Polen ist aber einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands, so dass man seine Sprachkenntnisse später auch beruflich nutzen kann.
Gastfreundschaft und Herzlichkeit
Die Menschen in Polen freuen sich, Deutsche kennen zu lernen!
Zwischen Polen und Deutschland liegt viel problematische Geschichte – und Geschichte ist für Polen sehr wichtig, vor allem weil das Land so oft von fremden Mächten besetzt war und um seine Unabhängigkeit kämpfen musste. Der Nationalsozialismus ist nicht vergessen, aber trotzdem wird man als Deutscher in Polen sehr freundlich aufgenommen.
Wer einmal in Polen war, wird die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen nicht vergessen! Da es noch nicht so viele Austauschschüler in Polen gibt, ist man an der Schule immer etwas Besonderes. Lehrer und Mitschüler sind sehr an Austauschschülern interessiert, gehen auf sie zu und helfen beim Zurechtfinden. So findet man schnell neue Freunde.
Pierogi, Bigos und Barszcz
In Polen gibt es viel zu entdecken! Die Menschen verdienen zwar im Schnitt weniger Geld, dafür sind die Lebenshaltungskosten aber auch niedriger. Außerdem kann man hier auch mit weniger Geld sehr gut leben. Viele Schüler können sich keine Markenkleidung leisten, deshalb wird darauf kaum Wert gelegt und jeder wird in den Sachen akzeptiert, in denen er sich wohlfühlt. Auch wenn man mit Freunden etwas unternimmt, muss man nicht immer viel Geld ausgeben, um sehr viel Spaß zu haben.
Und ganz bestimmt nicht gespart wird beim Essen. Die polnische Küche ist ausgesprochen lecker – wer schon mal Pierogi, Bigos oder Barszcz probiert hat, weiß wovon ich rede! Und mit Sicherheit wird man nicht vom Tisch aufstehen dürfen, bevor man mehr als satt ist.
Von der Solidarnos'c' in die EU
Was ich in Polen ganz besonders schätzen gelernt habe, ist die Aufgeschlossenheit, die Spontanität und die Kreativität der Menschen.
Außerdem ist Polen – mit seiner Entwicklung von der Solidarnos'c' zum EU-Mitgliedsland – eine Gesellschaft, in der gerade sehr viele Veränderungen vor sich gehen. Das finde ich sehr spannend.
Wer eine andere Kultur erleben möchte, muss nicht immer weit weggehen. Ich denke, es ist nicht nur wichtig, gute Beziehungen zu seinen Nachbarn aufzubauen – es ist auch viel praktischer, benachbarte als weit entfernte Freunde zu haben, denn man kann sie später viel öfter besuchen!
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