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Zwischen Tradition und Moderne

Adrian Mühlroth, Rumänien

Rumänien? Na klar!

Als ich morgens in die Klasse eintrat und verkündete, dass ich mich entschieden habe, ein Austauschjahr in Rumänien zu verbringen, wurde mir kurzerhand: „Was willst du denn da?“ an den Kopf geworfen. Nicht etwa von meinen Klassenkollegen stammte diese Frage, nein: von meinem Geschichtslehrer. Das zeigt die kurzsichtige Blickweise der Deutschen, besonders derjenigen im Norden, auf die Europakarte. Nach und nach kamen dann auch die Fragen meiner Mitschüler in die Runde: „Warum gehst du nicht in die USA?“, ,,Wo liegt Rumänien überhaupt?“

Großes Vorbild - Deutschland!!

Die Folgen des 2.Weltkrieges; Kommunismus, Armut und Abschneidung der Bevölkerung zur Außenwelt und Verwehrung von Blicken von außerhalb haben dieses Land für die Deutschen unscheinbar, ja fast unsichtbar gemacht. Rumänien war daher, seitdem es wieder eine demokratische Staatsform vertritt, sehr darum bemüht wieder internationale Kontakte aufzubauen und ist es noch bis heute. Der wohl größte internationale Partner für Rumänien ist – Deutschland. Der rumänische Staat hat an vielen Stellen versucht, Dinge nach deutschem Vorbild zu konzipieren und hat dabei auch viel staatliche Unterstützung, z.B. bei der Restauration deutscher Gebäude in Hermannstadt, oder der Einrichtung deutscher Klassen an rumänischen Schulen, bekommen.

Micul Paris - kleines Paris

Aber auch an anderen Ländern hat Rumänien sich orientiert. Lange Zeit, auch vor dem Kommunismus, galt Frankreich als großes Vorbild für Rumänien. Nicht umsonst trägt die Hauptstadt den Beinamen: „Micul Paris“ – Das kleine Paris. Heute ist Rumänien voll von westlichen Einflüssen. Fast täglich entstehen in Rumänien drei „Hypermärkte“, eigentlich schon Einkaufshäuser für sich, in denen man wirklich alles findet, und zu guter letzt für den Shopping-Fan werden hier und da immer mal wieder riesige Shopping-Malls gebaut.

Tradition versus Moderne

Aber auch an Traditionen wird neben diesem Aufschwung stark festgehalten. Das führt in Rumänien teilweise zu recht lustigen Ergebnissen. Zum Beispiel gibt es neben diesen riesigen Hypermärkten immer noch überall an jeder Ecke „Alimentar“-Läden, kleine Läden für den täglichen Bedarf, in denen man sich gerade so um die eigene Achse drehen kann. Auch an der Religion wird in Rumänien stark festgehalten. Der größte Teil der Rumänen gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an, die eine hohe und gut bewahrte Tradition führt. Wenn ein Rumäne an einer Kirche vorbeifährt oder -läuft, macht er mit seiner rechten Hand ein Kreuz vor die Brust. Es ist manchmal ganz aufregend wenn im Bus auf einmal alle die Hände heben und wie wild viermal ein Kreuz in die Luft fuchteln und nebenbei auch der Busfahrer das Steuer nicht mehr in beiden Händen hält.

Nie war Zug fahren so ein Freude!

Auch ist das Zug fahren eine wahre Freude. Wenn ein rumänischer Bauer, ein „Taran“, in einem neuen Zug mit automatischen Türen mitfährt und die erste halbe Stunde der Zugfahrt damit verbringt die Tür aufzustemmen, bis ein freundlicher Zugbegleiter ihm den Knopf für die Türöffnung zeigt, dann kristallisiert sich wieder einmal der feine Unterschied in der rumänischen Kultur heraus.

Gib Rumänien eine Chance!

Wer diesen Bericht gelesen hat, dem kann ich versichern, dass niemand Angst davor haben muss, ein Jahr in Rumänien zu verbringen. Dieses Land und seine Nachbarländer sind nicht in der Zeit stehen geblieben, sondern haben sich weiterentwickelt. Sicher, wer darauf beharrt, dass Rumänien ein armes Land ist, der wird auch das sehen, da es immer noch Teile, insbesondere Zigeunerdörfer in Rumänien gibt, die noch nicht so hoch entwickelt sind. Aber muss denn wirklich der eine Teil den viel größeren anderen Teil nur durch unsere Verschlossenheit überdecken? Ich bin der Meinung, dass man mit offenen Augen durchs Leben gehen sollte und sich auch das anschaut, was man noch nicht gesehen hat. Außerdem hat Rumänien eine faire Chance verdient, denn es gibt sich ja die allergrößte Mühe nach außen hin zu wirken, deswegen bleibt es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Deutschen ihren gar nicht mal so weit entfernten EU-Nachbarn bemerken. Jedenfalls ist Rumänien auf einem guten Weg, internationales Interesse zu wecken und endlich mal gesehen zu werden.

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„Ja, ein Jahr ist lang und zugleich doch wieder viel zu kurz. Ich habe ein zweites Zuhause gefunden, ein weiteres Leben.“

Lisa Mögel
Austauschjahr in Südafrika