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„Kreative Lösungen finden“

AJA-Fachtagung zur Anerkennung von Auslandsschuljahren bei Schulzeitverkürzung

Mit der Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre bis zum Abitur haben die 16 Bundesländer unterschiedliche Regelungen getroffen, wann ein Auslandsschuljahr auch im 12-jährigen Bildungsgang anerkannt werden kann. Durch die Veränderung sind deutschlandweit viele Jugendliche verunsichert, ob ein Austauschjahr für sie noch in Frage kommt.

Um dieser Verunsicherung entgegenzuwirken, hat der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA) zum Thema „Anerkennung von Auslandsschuljahren bei Schulzeitverkürzung“ eine Fachtagung in Kassel veranstaltet. Erstmals haben sich hierfür gemeinnützige und kommerzielle Organisationen zusammengeschlossen: Neben den AJA-Mitgliedern erklärten sich 40 weitere Organisationen bereit, die Tagung zu unterstützen.

Eingeladen waren die Referentinnen und Referenten der Kultusministerien der Länder, die für die Frage der Anerkennung von Auslandsschuljahren zuständig sind. Aus neun Bundesländern kamen Referenten, um mit Vertretern der Austauschorganisationen, ehemaligen Austauschschülern und einem Schulleiter über die unterschiedlichen Regelungen zur Anerkennung zu diskutieren und die Sichtweise der anderen kennen zu lernen.

Die Teilnehmer der AJA-Fachtagung

Während etwa in Thüringen ein Auslandsschuljahr in der 10. Klasse oftmals problemlos anerkannt wird, können Schülerinnen und Schüler in Berlin nur dann ein ganzes Jahr im Ausland verbringen, wenn sie ein zusätzliches Schuljahr in Kauf nehmen. Ehemalige Austauschschüler sind sich zwar einig, dass sich ein Austauschjahr in jedem Fall lohnt – aber dennoch lassen sich zahlreiche interessierte Jugendliche von der Vorstellung abschrecken, den Anschluss an ihre Klassenkameraden zu verlieren, wenn das Jahr nicht anerkannt wird.

Die positive Wirkung eines Austauschjahres bestätigte auch Lisbeth Hürter, die einige Ergebnisse ihrer für YFU durchgeführten Studie „Entfernung schafft Klarheit“ vorstellte. In der Arbeit werden die Auswirkungen vom Auslandsschulbesuch auf Zensuren und den weiteren Bildungsweg untersucht. Viele der Befragten konnten nach einem Austauschjahr ihre schulischen Leistungen verbessern und fühlten sich vor allem in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit bestärkt.

Auch Angela Spizig, die Bürgermeisterin der Stadt Köln, sprach beim Auslandsschuljahr von einer „character building experience“. Als Gastrednerin appellierte sie an die Anwesenden, bei der Frage der Anerkennung von Auslandsschuljahren „kreative Lösungen“ zu finden. Austauschschüler sollten als Individuen betrachtet werden und Schulleitungen in allen Bundesländern die Möglichkeit bekommen, dementsprechend individuell zu entscheiden. Als ehemalige Austauschschülerin betonte Frau Spizig, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, Jugendlichen prägende interkulturelle Erfahrungen zu ermöglichen und damit zur Völkerverständigung beizutragen.

Auch alle anwesenden Referenten sprachen sich sehr positiv für den langfristigen Jugendaustausch aus, baten allerdings um etwas mehr Zeit, um Erfahrungen mit den neuen Regelungen zu sammeln. Der Dialog mit den Austauschorganisationen solle auch in Zukunft gern fortgesetzt werden.

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„Schon bald muss ich wieder in mein Heimatland Brasilien zurück und ich bin jetzt ganz sicher, dass ein Jahr nicht genug war.“

Bruno Gomes
Austauschschüler aus Brasilien