Austauschschülerin mit slowakischen Freundinnen

Herzlichkeit und Traditionen

Erfahrungsbericht von Karoline, Austauschjahr in der Slowakei

„Gib deinem Leben die Hand und lass dich überraschen, wohin es dich führt.“ Genau das tat ich und wurde von meinem Leben in die wunderbare und einzigartige Slowakei geführt. Ein Jahr voller Überraschungen, Kultur, neuer Sprache und netten Menschen!

Ich hatte Lust auf ein großes Abenteuer, eine neue Sprache und einfach etwas ganz „anderes“ zu machen. So kam ich im August in Žilina an. Hier wurde ich von meinen Gasteltern und meinen beiden Gastschwestern (13 und 19 Jahre alt) herzlich in Empfang genommen. Mit ihnen, einem Hund und einem Kaninchen sollte ich also nun ein Jahr leben. Ohne den mir vertrauten Leuten und Gewohnheiten, in einem Land, dessen Sprache ich nicht sprach.

Übersetzen und übersetzt bekommen

Nach meiner Ankunft ging es dann mit einem tollen Slowakisch- Sprachkurs weiter. Es folgte eine großartige Slowakei-Rundtour mit meiner Gastfamilie und Anfang September begann die Schule. Ich war sehr aufgeregt, aber alle waren lieb zu mir und auch meine junge Klassenlehrerin hätte besser nicht sein können. Die Mädchen kamen zu mir und führten eine ängstliche Englisch-Deutsch-Slowakisch Konversation. Die Slowaken sind zwar sehr kontaktfreudig aber anfangs schüchtern im Umgang mit Ausländern.

Ich fand nach und nach sehr liebe Freundinnen und hatte viel Spaß in der Schule. Anfang Oktober zum Beispiel, war ich mit meiner Klasse in Wien und musste dort für alle Übersetzerin spielen. Im November hatte ich meinen „Venček“, den Abschlussball von meinem Tanzkurs, der wirklich sehr amüsant war.

Viele Feiern und unbekannte Traditionen

Weihnachten (Vianoce) erlebte ich auch sehr neu und in einer katholisch/slowakischen Tradition: mit Knoblauchzehen essen, einem Honigkreuz auf der Stirn, viel Familie und einem tollen, blau leuchtenden Weihnachtsbaum. Heimweh hatte ich an den Festtagen erstaunlicherweise gar nicht, denn das völlig neue Weihnachtserlebnis fesselte mich sehr. Über Silvester fuhr ich mit meiner Gastfamilie und vielen ihrer Freunde in die Berge Skifahren, was einfach herrlich war. Mein Geburtstag im Januar verlief dann leider, aufgrund slowakischer Traditionen, etwas enttäuschend, aber ich habe auch das überstanden und neue Erfahrungen gesammelt.

Im März fand eine einwöchige, wirklich tolle Skifreizeit mit meinem Jahrgang von der Schule statt. Dabei hatte ich die Möglichkeit, viele Leute besser kennen zu lernen. An Ostern ging es dann schon wieder in die Berge Skifahren und ich erlebte richtige slowakische Ostern, an denen die Frauen von den Männern mit Wasser bespritzt und mit Ruten gehauen werden (leicht bis mittel stark). Dafür bekommen sie dann auch Schokolade. Den Sinn dahinter habe ich bis heute nicht ganz verstanden, aber ich glaube die Männer wollen die Frauen dadurch gesund halten und die bösen Geister austreiben.

Der Abschied fällt schwer

Ende Juni hieß es dann leider „Time to say goodbye“ und der Abschied von meinen vielen, mir sehr ans Herz gewachsenen Freunden und Gastfamilie fiel mir verdammt schwer. Zuhause fragten mich viele Leute, wie ich das mit der Sprache gemacht hätte. Am Anfang ging die Verständigung meist auf Englisch, obwohl kaum einer gut Englisch konnte. Nach ca. ein bis zwei Monaten lief es dann einfach auf Slowakisch. Ich habe mich schnell an die Sprache gewöhnt, was auch mit meiner Motivation zu tun hatte.  

Ich kann jedem nur raten ein Jahr (oder auch länger) im Ausland zu verbringen. Auch wenn so ein Austauschjahr nicht immer nur positiv verläuft, sondern es auch mal schlechtere Zeiten gibt (die man aber auch überlebt). Wenn man die Möglichkeit dazu hat, und die bietet sich eigentlich jedem, sei es durch Stipendien oder Bafög, sollte man sie auf jeden Fall nutzen. Dabei ist es relativ egal wo, sei es nun in den USA, in der Slowakei oder sonst in einem anderen Land. Man macht überall wertvolle und unvergleichbare Erfahrungen.