Güle güle İstanbul, biz geri olacak! – Tschüss Istanbul, wir kommen wieder!

Familie Hartmann/Sülflow aus Berlin berichtet über ihre (unverhoffte) Zeit als Gastfamilie für Ulaş aus der Türkei

Ulaş war uns quasi zugeflogen- nicht direkt aus der Türkei, sondern eher über Umwege aus Berlin-Kreuzberg. Lange schon umwarben uns Freunde und enthusiastische YFU-Familien, denen wir fleißig Stand hielten. Denn eines hatten wir jahrelang erfolgreich beherzigt: „Wir werden alles – aber nie Gastfamilie!"

Aber dann kam eines Tages eine E-Mail einer Bekannten, die als ehrenamtliche Betreuerin für ihren Gastschüler eine neue Familie suchte. Hilfsbereit wurde die Mail schnell angeklickt, um sie weiterzuleiten, bis wir dabei zufällig einen Blick auf das Foto erhaschten. Schnell wurde Familienrat gehalten: Alter und Hobbys stimmten exakt mit denen unseres Sohnes Knut überein. Dieser hielt ein inbrünstiges Plädoyer zugunsten Ulaş – und so wurden wir quasi über Nacht Gastfamilie.

Unsere Sorgen waren unbegründet

Wenige Tage später begrüßten wir einen sehr schüchternen Jungen mit einem bezaubernden Lächeln, der kaum ein Wort Deutsch sprach. „Das wird ein Projekt", dachten wir. „Wenn er bis zum Ende seines Austauschjahres ein Satz von sich aus spricht, sind wir gut!" Unsere Sorgen sollten sich als unbegründet erweisen: Schon nach zehn Tagen riss Ulaş die ersten Witze, tauchte gemeinsam mit unserem Sohn in die Musik- und Longboard-Welt ein und trieb uns – wie unser eigener Sohn – mit seinen Essgewohnheiten und dem pubertierendem Chaos seines Zimmers so manches Mal zur Verzweiflung.

Letztendlich ist es unserem Sohn zu verdanken, dass sich Ulaş so schnell bei uns einlebte und große Entwicklungsschritte auch hinsichtlich seiner Deutschkenntnissee machte. Die beiden harmonierten in dem halben Jahr sehr miteinander und wurden zu wirklichen Brüdern. Das hatten wir so nicht erwartet und immer versucht, unserem Sohn eine für ihn vermeintliche Verantwortung abzunehmen.

So modern kann Familienleben in der Türkei aussehen?

Ulaş zeigte uns viele Fotos von seinen Eltern, den Urlauben, der Wohnung und wir waren mehr als erstaunt: So modern kann Familienleben in der Türkei aussehen? Wir hielten uns bis dato für weltoffene, tolerante und vorurteilsbewusste Menschen und mussten uns doch eingestehen, dass wir viele Ressentiment und Vorurteile gegenüber der Türkei in uns trugen. Interessant und lustig wurden auch die Gespräche über Religion, die wir mit Ulaş führten. Zum Beispiel, als unsere Tochter unseren türkischen Austauschschüler aufklärte, wann und warum das muslimische Zuckerfest gefeiert wird.

Istanbul wir kommen!

Durch Ulaş Aufenthalt entwickelte sich ein sehr herzlicher Kontakt auch zu seinen Eltern, der sich nach seiner Heimreise sogar vertiefte. Von unserem Gastsohn selbst hörten wir Eltern in dieser Zeit allerdings erst einmal wenig. Ganz anders bei Knut und Ulaş: Schon wenige Monate nach Ulaş Heimkehr besuchte ihn Knut in Istanbul. Dort wurde er von Ulaş Familie herzlich aufgenommen und schnell zu „our second son, our honey, our German son".

Im nächsten Jahr flogen wir dann erstmals gemeinsam in die Türkei und waren sehr aufgeregt: Was würde uns erwarten? Würde sich Ulaş verändert haben? Und würden wir uns mit den Eltern verstehen? Die Woche übertraf dann alle Erwartungen und wir verlebten sie in einem einzigen Istanbulrausch. Uns überraschte die Liebenswürdigkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen und zog uns komplett in den Bann. Wir haben so vieles gesehen, gegessen, genossen und aufgesogen, hatten interessante und intensive Gespräche auch über die politische Lage in der Türkei. Wir haben eine Familie mit einer ähnlichen Wellenlänge kennen und lieben gelernt.

Fazit: Mit unserem türkischen Gastsohn haben wir neue Freunde und eine neue Familie gewonnen – und das mit einem einzigen Mailklick!

Und die Geschichte geht weiter:

Ein Jahr später: Gesten haben wir Ulaş wieder zum Flughafen gebracht, nach 5 Wochen Sommer in Berlin. Seine Worte zum Abschied: "Es war toll, als wenn das Austauschjahr einfach weiter gegangen ist." Er hat bei uns an seinem 17. Geburtstag auch seine Betreuerin wieder getroffen und ist zu aller Freude auch wieder herzlich in seine Clique aufgenommen worden. Zitat eines deutsches Freundes: "Ulaş, auf diesen Tag habe ich mich das ganze Jahr über gefreut!"

Noch Fragen?

Das Team der YFU-Geschäftsstelle beantwortet Ihnen gern alle organisatorischen Fragen zur Aufnahme eines Austauschschülers. Wenn Sei aber mit jemanden sprechen möchten, der das "Abenteuer Austausch" bereits gewagt hat, melden Sie sich gern bei Beate Kiesler-Jürgens, die sich als Gastmutter und Betreuerin für YFU engagiert:
gastfamilienerfahrung@yfu-deutschland.de

Kontakt

Unser Team im Gastfamilien-Programm ist für Sie da:

Telefon: 040 227002-778
E-Mail: gastfamilien@yfu.de