Warum man „finnische Ohrfeigen“ immer annehmen kann

Familie Kugland Pietsch mit Tuulia aus Finnland

Wissen Sie, warum Sie „Finnische Ohrfeigen" immer annehmen können, wenn Sie eine Reise zum Nordkap machen? Weil es sich bei „Korvapuustit", wie sie auf Finnisch heißen, um ein leckeres Gebäck handelt! Kennengelernt haben wir dieses durch unsere finnische Austauschschülerin, die ein Jahr in unserer Familie lebte. Als unsere 16jährige Tochter für ein Jahr ins Ausland wollte, mochte unsere Jüngere nicht alleinerziehendes Kind sein. Außerdem war es uns schon ein Anliegen, einem anderen jungen Menschen das zu ermöglichen, was wir uns für unsere Tochter wünschten.

Einzige Bedingung: Selbstständigkeit

Also erklärten wir uns bereit, einen Gastschüler aufzunehmen: Auf einem Fragebogen konnten wir uns als Familie und unsere Wünsche in Hinblick auf den Gastschüler vorstellen. Aus praktischen Erwägungen heraus wollten wir gerne eine Schülerin aufnehmen und stellten als einzige „Bedingung", dass sie eine gewisse Selbständigkeit mitbringt - als berufstätiges Elternpaar sind wir weder ein Taxiunternehmen noch Entertainer. Wir wurden bestens vorbereitet mit hilfreichen Tipps von YFU, Antrittsbesuch der Betreuerin, Hotline-Nummer und Handbuch.

Es hat sehr schnell "Klick" gemacht

Und so geschah es auch mit unserem Gastkind: Nach einem Einführungsseminar über Deutschland und „die" Deutschen kam Tuulia (17) aus Finnland zu uns. Ihr Deutsch wurde im Laufe der Zeit immer besser, unser Finnisch leider nicht - trotz herrlicher finnischer Filme, gespickt mit schwarzem Humor und englischen Untertiteln! Englisch war dann übrigens auch Tuulias bestes Schulfach auf ihrem deutschen Zeugnis ... Freundschaften zu schließen mit Deutschen ist anfangs nicht ganz einfach und Heimweh blieb auch nicht aus, doch eigentlich hat es sehr schnell „Klick" gemacht.

„Korvapuustit"

Bald lernten wir, was ein „Muttizettel" für die Disco ist, in welchem Ortsteil Jungs am meisten Bier beim Schützenfest spendieren, welcher Verein das beste "Kick-Boxen" Training anbietet und dass Tuulias Abneigung gegen Gemüse sich zu immer größer werdenden Allergien umwandelte. Natürlich hat Tuulia auch für uns etwas zubereitet: zum Beispiel "Poronkäristys ja perunamuusi" (alias Rentiergeschnetzeltes mit Kartoffelbrei) oder eben „Korvapuustit", finnische Ohrfeigen aus Hefeteig.

Gemeinsam wanderten wir durch das Jahr - zu Treffen mit der ehrenamtlichen Betreuerin von YfU und anderen Austauschschülern ebenso wie zu Ausflugszielen in der Umgebung, die wir eigentlich schon immer besuchen wollten, aber nie die Zeit dafür fanden. Die Fahrten dahin hat Tuulia übrigens meist verschlafen; nur an ihrem letzten Tag ist sie wach geblieben, um ihrem Bruder ein Foto als Beweis zu schicken, dass sie mit 200 Sachen über die Autobahn gefahren ist - mit einem Volkswagen, schließlich wohnen wir in Wolfsburg!