Viersprachige Weihnachten

Familie Waibel, Gastfamilie für Maria aus Argentinien

Maria aus Argentinien kam am 1. August zu uns und blieb bis zum 1. Juli. Genau 11 Monate waren wir eine sechsköpfige Familie. Wir, das waren mein Mann und ich mit unseren eigenen drei Kindern (19, 18 und 15) und unserer Gasttochter (18). Das Leben mit vier Heranwachsenden war zu keinem Zeitpunkt langweilig und auch unsere Maria sorgte für reichlich Abwechslung. Das ist sicher eine Ursache dafür, dass dieses knappe Jahr fast wie im Flug verging. Unsere Tochter auf  Zeit war eine sehr selbstständige junge Frau, die es von Anfang an verstanden hat, ihr Leben in Deutschland sehr gut zu organisieren. Das hat unser Zusammenleben in erster Linie leicht gemacht, bedeutete jedoch auch, an der einen oder anderen Stelle gewisse Kompromisse oder sogar Regeln zu finden, um ein harmonisches Miteinander zu erreichen. Sie musste sich erst daran gewöhnen wichtige Entscheidungen zum Beispiel einen Schulwechsel mit uns Eltern oder den Betreuern  abzusprechen, da sie in Argentinien alles selbstständig und eigenmächtig entscheiden durfte. Vielleicht fühlte sie sich anfangs ein wenig bevormundet, am Ende jedoch hat sie gerne unsere Unterstützung oder Beratung angenommen.

Eine internationale Großfamilie

Maria hat sich mit unserem Sohn und unseren Töchtern von Anfang an prima verstanden, so dass sie beispielsweise auch gemeinsam auf Partys gingen, aber trotzdem ist es Maria gelungen ihren ganz eigenen Freundeskreis aufzubauen. Wenn wir eine Unternehmung mit der ganzen Familie planten, war Maria immer dabei und sie hat es sehr gerne gehabt, wenn wir uns mit der ganzen Familie trafen (Tanten, Onkels, Omas, Opas, Cousins, Cousinen...) oder verreisten. Nach unserem Urlaub in Dänemark im Oktober (auch ein „Großfamilienurlaub") hatte sie riesige Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht und nach Weihnachten hat sie so gut wie alles verstanden. Dieses Weihnachten war für uns alle etwas Besonderes. Da meine Schwester ihre chinesische Gasttochter zu Besuch hatte und meine Schwägerin Amerikanerin ist, sangen wir Weihnachtslieder in Deutsch, Englisch, Spanisch und Chinesisch.

Ab Februar haben wir dann fast vergessen, dass sie ja eigentlich Spanisch spricht. Von diesem Zeitpunkt an, aber nicht nur wegen der Sprache, war sie wirklich unser viertes Kind und ihre Anwesenheit war zur Selbstverständlichkeit geworden.

Neue Erfahrungen

Maria erlebte einen kalten schneereichen Winter mit langen Spaziergängen und Schneemannbau! Auch wenn es für sie „unglaublich kalt" war, prahlte sie bei ihrer argentinischen Familie mit den sinkenden Minusgraden. Wir erlebten Marias Firmung, was auch eine  wirklich schöne Erfahrung war. Da unsere eigenen Kinder nicht konfirmiert oder gefirmt worden sind, hatten wir viel Freude bei der Ausrichtung der Feierlichkeit.

Einige Male hat Maria für uns gekocht, ganz besonders lecker waren ihre Gnocchis, die gab es immer am letzten Tag des Monats. Man legt Geld unter den Teller, damit das finanzielle Auskommen im Folgemonat gesichert ist. Dieses kleine „argentinische  Ritual" pflegen wir nun weiter. Wir machten viele Ausflüge und entdeckten auch an vielen Stellen unsere eigene Stadt und Umgebung neu und Maria hat sich wirklich für alles interessiert und konnte sich so herrlich begeistern!

Abschiedsstimmung

In den letzten Wochen und Tagen war unsere Stimmung ein wenig getrübt, weil wir natürlich alle an den bevorstehenden Abschied denken mussten. Wir machten eine große „Good-Bye Party", damit sich alle noch einmal von Maria verabschieden konnten. Ja und dann wurde es ernst, die Koffer wurden gepackt und wir mussten Abschied nehmen. Erst nach Wochen bauten wir den für Maria aufgestellten Schreibtisch ab, niemand hatte Eile damit, es war fast so als könnten wir damit erreichen, dass sie wieder zur Tür hereinkommt mit ihrem „Hallo, wie geht´s?" Aber sie hat versprochen wiederzukommen und darauf freuen wir uns alle jetzt schon.