Eine Entscheidungshilfe für noch unschlüssige (werdende) Gasteltern

Familie Breustedt mit Ben aus den USA

Vor knapp zwei Jahren haben wir, die drei Breustedts aus Magdeburg, uns dazu entschieden, erneut einem ausländischen Gastkind ein Austauschjahr in Deutschland zu ermöglichen. Es sollte für uns das zweite Mal ein Jahr voller Neugier und Überraschungen werden!

Im Sommer 2009 flog ein junger Mann aus den USA in Deutschland ein, der im Anschluss an seinen Orientierungs- und Sprachkurs zu uns kam. Wir holten "unseren" Benjamin aus Hannover ab. Er stieg aus dem Zug und begrüßte uns, seine künftige Gastfamilie, als würden wir uns schon ein Leben lang kennen! Vor uns stand ein lebenslustiger, aufgeschlossener und ziemlich hoch gewachsener junger Mann. Wahrscheinlich war er genauso aufgeregt wie wir!

 

Erste Missverständnisse schnell überwunden

Zugegeben: Die ersten Tage waren für beide Seiten etwas anstrengend. In fast jedem Zimmer lagen Wörterbücher herum. Ben hatte, bevor er nach Deutschland kam, kein einziges Wort Deutsch gesprochen und wir konnten auch nur auf unser lange zurückliegendes und das Schulenglisch unserer Tochter Anne zurückgreifen. Kleine Missverständnisse waren also vorprogrammiert! Hier eine kleine Kostprobe: Ben bekam einen Hausschlüssel. Wir versuchten ihm zu erklären, dass das Türschloss nicht einwandfrei funktioniere und an einer ganz bestimmten Stelle etwas hakt. Auf die Frage, ob er das verstanden habe, antwortete unser Familienzuwachs mit einem deutlichen "Ja!" Es dauerte nur ein paar Tage, bis Ben voller Tatendrang und Energie seinen Haustürschlüssel sehr früh am Morgen, so gegen 0.30 Uhr, im Schloss abbrach. Das war ihm natürlich peinlich. Aber auch wenn diese Nacht durch eine Handwerkerstunde jäh unterbrochen wurde, konnten wir ihm nicht böse sein.

Mit der Zeit verbesserten sich Bens Deutschkenntnisse. Bei Deutschlehrerin und Gastoma Christine gab es einmal in der Woche professionellen Zusatzunterricht. Ben genoss das so sehr, dass er auch in den Schulferien die Deutschstunde nicht missen wollte.

Kleine Kompromisse erleichtern das Leben

Wir erfuhren viel über Bens Familie, seine Heimat, seine politischen Ansichten und andere Dinge. Ben wiederum hat erfahren, dass einer der wichtigsten Generäle im amerikanischen Bürgerkrieg, Friedrich Wilhelm von Steuben, in Magdeburg geboren wurde.

Er beschäftigte sich gern mit Kunst, Literatur und Musik. So nutze er die wenige Freizeit, dazu, das Gitarrespielen zu erlernen. Die in Schichten arbeitende Gastmutti und der junge "Künstler" schlossen bald einen Kompromiss und einigten sich schnell auf bestimmte Zeiten, in denen er sehr engagiert die Gitarre nutzte und dabei auch seine Stimme nicht schonte.

Ein anstrengendes Jahr? Keineswegs!

Das gegenseitige Kennenlernen, viel Spaß und Abwechslung, gemeinsame Unternehmungen in die nähere und weitere Umgebung, aber auch das Alltagsleben, mit Aufgaben und Verpflichtungen machten diese elf Monate zu einer unvergesslichen Zeit und zur Bereicherung für alle Beteiligten.

Zum Schluss noch einen Ratschlag: Planen Sie das Jahr als Gasteltern nicht schon vorher komplett durch. Lassen Sie die jungen Leute auf sich zukommen und warten Sie ab, welche Interessen und Hobbys Ihr künftiges Gastkind mitbringt. Unser erster Gastsohn war z.B. das ganze Gegenteil von Ben. Er war auch ein Amerikaner, aber viel familienbezogener, der es genossen hat, einfach zu Hause zu sein.

Momentan lebt ein Schüler aus Ungarn bei uns. Wir sind echte "Wiederholungstäter"! In diesem Sinne, viel Spaß bei der Erfahrung mit dem Ausland im eigenen Heim.

 

Familie Breustedt mit Ben