So war das eigentlich nicht geplant...

Familie Mayer mit Keti aus Georgien

…aber dann kam – und dies ist eine Ermutigung an die „YFU-Familiensucher“ – überraschend und unaufgefordert ein Stapel Steckbriefe an. Nachdem wir bereits vor drei Jahren ein intensives, interessantes Jahr mit einem Gastschüler aus Finnland verbracht hatten (während unsere Tochter Katharina mit YFU in Ecuador war), waren wir einer Wiederholung nicht ganz abgeneigt.

Und dann schaute uns Keti aus Georgien an. Ihr Steckbrief klang so sympathisch. Unsere große Tochter erklärte sich sofort bereit, ins „Kellerzimmer“ zu ziehen. Folglich beschloss – um nicht wieder Zweifel und Wenns und Abers wachsen zu lassen – der Familienrat umgehend die Aufnahme von Keti. Am nächsten Tag wurde alles mit YFU Hamburg klargemacht.

Perfekt für unsere Familie

Es war vom ersten Augenblick eine völlig problemlose Zeit. Nach den üblichen ersten Abtastmomenten war Keti in kürzester Zeit ein volles Familienmitglied. Die Integration lief dank ihrer bereits sehr guten Deutschkenntnisse und ihrer Offenheit ohne Schwierigkeiten. Es brauchte keine Regeln. Sie wusste, was zu tun war, wir mussten keine Putzbefehle geben, das geschah von allein und sie kümmerte sich um alles selbst. Und dann noch eine 16-Jährige vollkommen ohne Launen, oder anders: mit immer guter Laune! Und mit Humor! Heimweh kannte sie nicht. Und auch wenn PC und Handy für sie wichtig waren, ein Gespräch hat sie immer vorgezogen. Sie hielt vernünftigen Kontakt mit ihrem georgischen Zuhause, wollte aber immer voll und ganz hier sein. Kurzum: Sie passte einfach perfekt in unsere Familie!

Gemeinsame Aktivitäten

Wir haben viel unternommen – Oktoberfest und Biathlon-Weltcup, Berchtesgaden und Dresden, Ausstellungen, Konzerte von Rock bis Klassik, Besuche in den touristischen Highlights wie Neuschwanstein und Linderhof, Weihnachten (auch Ketis Geburtstag!) und Ostern. Dazu die vielen Kleinigkeiten: Biergarten und Lindt-Schokolade, schöne Gespräche und gemeinsame Filmabende, Ketis Kochkünste und Gelächter, wenn sie unser Bayerisch korrigierte.

In der Schule war sie offensichtlich von Anfang an gut eingebunden  und doch vertieften sich erst angesichts des drohenden Abschieds die Kontakte zu ihren Mitschülerinnen. Autofahrten verschlief Keti grundsätzlich. Wir vermuten, in Georgien ist Reden im Auto verboten, deshalb schläft man…

Nur auf einen Berggipfel haben wir sie nie gebracht und leider hat sie nicht Radfahren gelernt. Aber wir haben ja auch nur drei Worte Georgisch gelernt…

Ein "dunkler Moment"

Jenseits aller Erlebnisse, die uns auf immer verbinden, gibt es eine eindrucksvolle Erfahrungen: Wie schnell eine „Fremde“ mit ihrer Liebenswürdigkeit unsere Herzen gewinnen konnte! Auch die Herzen ihrer beiden etwas älteren Schwestern! Wie schön, wenn sie über die Schule fachsimpelten, gemeinsam Blödsinn machten, lachten, sich umarmten. Keti war uneingeschränkt Tochter und Schwester!

Es gab eigentlich nur einen „dunklen Moment“: den Abschied! Da muss Puh, der Bär, das Schlusswort haben: How lucky we are to have something that makes saying goodbye so hard.

Aber Georgien ist ja nicht so weit weg… :)

Familie Mayer mit Keti

Gastschwestern