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Austauschschülerin Annahita mit ihrer Gastschwester am Meer in Frankreich

Drei wichtige Dinge

Erfahrungsbericht von Annahita, Austauschjahr in Frankreich

Als ich damals meine Zusage für den Austausch bekam war ich der glücklichste Mensch auf Erden, als ich jedoch sah, dass es Frankreich war, sank meine Stimmung ziemlich schnell. Ich hatte mich zwar auch für Frankreich beworben, hatte aber gehofft, dass es ein anderes Land werden würde. Frankreich, ein Land das ich nur aus meinem Hassfach Französisch kannte, mit diesen schlechtgekleideten Kindern in meinem Französischbuch. Ich konnte mir nichts unter Frankreich vorstellen, außer dem Eifelturm, Baguette und Käse. Zudem war ich eine absolute Null in dem Fach, so wie 90% der Menschen, die Französisch als zweite Fremdsprache haben. Jetzt, am Ende meines Auslandsjahres hat Frankreich eine Bedeutung für mich. Es ist nicht nur „das Land unten links von Deutschland“. Wenn ich jetzt an Frankreich denke, denke ich an meine Freunde, an die Erinnerungen, die wir zusammen gesammelt haben, an die Höhen und Tiefen, die ich hatte, und an das unfassbar gute Essen dieses Landes. Ich denke an meine Gastschwester und all die Momente, in denen wir uns vor Lachen nicht mehr halten konnten. Ich denke an meine Heimat.

 

Meine zwei Leben die ich jetzt besitze könnten nicht unterschiedlicher sein. In Deutschland stehe ich in unserem kleinen Haus auf, frühstücke, fahre um 7.20 mit meinem Fahrrad los, komme um 14 Uhr nach Hause und esse, den Rest des Tages gestalte ich mit Training und Freunden. In Frankreich wohne ich in einem großen Haus, mitten in den Bergen, werde mit dem Auto zur 30 Minuten entfernten Schule gebracht und esse mittags in der Kantine, um dann nochmal bis 18 Uhr in der Schule zu sitzen.

 

Drei wichtige Dinge: Schule, Familie und Essen

In Frankreich gibt es drei große Dinge: Schule, Familie und Essen. Die Schule nimmt so ziemlich deinen ganzen Tag ein in Frankreich, für die meisten eine Horrorvorstellung. Ich finde es aber super cool. Ich bin auf einer öffentlichen Schule und habe auch viele Freiräume zwischen den Stunden, wie zum Beispiel freitags von 11 bis 14 Uhr. Das bietet einem Austauschschüler die perfekte Möglichkeit, einfach Zeit mit vielen seiner Freunden zu verbringen. Ich find das besser als um 14 Uhr nach Hause zu kommen und dann alleine zu sein oder nur mit einzelnen Leuten abzuhängen. Es gab übrigens nicht einen einzigen Tag, wo ich nicht jemanden Neues kennengelernt habe. Der Schlüssel ist einfach: offen sein für alles und jeden und sich auch mal mit Leuten zu unterhalten, mit denen man normalerweise nicht viel macht.

 

In Frankreich ist es ziemlich wichtig, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Raus aus seinem Zimmer zu kommen, beim Kochen zu helfen, sich zu unterhalten, einfach die Familie an seinem Leben teilhaben zu lassen. Selbst wenn man an seinem Computer hängt, kann man das auch im Wohnzimmer mit den anderen anstatt alleine in seinem Zimmer. 

 

Und Essen ist wohl der allergrößte Punkt. Franzosen essen viel. Franzosen essen oft. Franzosen essen gut. Es variiert natürlich je nach Familie, was aber wohl in jeder Familie übereinstimmt ist, dass man mittags und abends warm ist. Da man mittags in der Kantine isst, ist das Abendessen die wichtigste Mahlzeit in einer Familie, wo alle zusammenkommen und von ihrem Tag erzählen. Es gibt erst die Mahlzeit, danach Käse oder Joghurt, je nach Familie das Dessert und zum Schluss das Obst. Handy am Essenstisch ist ein absolutes No-Go und es wird auch immer gewartet, bis jeder zu Ende gegessen hat. Aus dem allem resultiert, dass man auch schon mal um die zwei Stunden am Esstisch sitzt.

 

12 Tage bleiben mir noch in Frankreich und ich möchte nicht mehr weg. Frankreich hat eindeutig mein Herz erobert, ein Land, von dem ich anfangs dachte, dass ich es hasse und dessen Sprache ein Albtraum war. Frankreich ist meine zweite Heimat und eins steht fest: Ich komme wieder!

Annahita mit ihrer Gastschwester in Paris

Annahita mit ihrer ersten Gastfamilie in La Rochelle

Annahita mit ihrer Französischklasse

Annahita mit der Fußballmannschaft ihrer Schule

Annahita mit ihrer ersten Gastschwester am Meer

Annahita in Saint Marie de la Mer

Annahita mit einer guten Freundin in Frankreich

Beim Seminar